Eine Tasche für das Bliss

Heute mal was anderes. Zumindest ein bisschen. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt eine Transporttasche für mein Spinnrad zu nähen, weil ich so eine Tasche auf der Facebookseite von Woolmakers gesehen habe. Da hat sich jemand so eine Tasche genäht. Ich kann leider nicht sagen wer und mehr Infos als ein kleines Foto hatte ich auch nicht, weil ich nicht bei Facebook angemeldet bin. Und weil Woolmakers immer noch keine wieder funktionierende Homepage hat. Seit über nem halben Jahr! Das sieht da immer noch nach Provisorium aus! Anscheinend haben sie das nicht nötig, und das meine ich nicht gemein. Ich glaube wirklich dass sie das nicht nötig haben. Das Spinnrad und die Kardiergeräte verkaufen sich zurecht wie heiße Semmel. Schade finde ich es trotzdem.

Also gut. Ich hatte die Idee im Kopf und habe nach und nach alles gekauft. Stoff von Ikea, Outdoorstoff für den Boden von stoffe.de. Endlosreißverschluss und dickes Volumenvlies über ebay. Gurtband und Futter sind aus meinem Schrank. Keine Ahnung wie die da rein gekommen sind. Wird Zeit, dass ich wieder umziehe, der Schrank ist zu voll! Naja, jetzt ist er leerer, für die Tasche habe ich nämlich einiges verbraucht.

Ich habe dann das Spinnrad ausgemessen und mir die Abmessungen der Tasche überlegt. Und die sind durch das Pedal recht groß. Und dann ist das Spinnrad nicht nur tief, sondern auch hoch und das Schwungrad macht das ganze breit. Ich habe das Tasche nach oben ein bisschen schmaler werden lassen, am breitesten ist sie so im untere Drittel, da ist das Spinnrad auch am breitesten. Boden und Seitenteile sollte aus einem lange Rechteck bestehen, ich musste mir also nur 1 Schnittteil überlegen und aufzeichnen, das Vorder- und Rückenteil.

Und dann lag der ganze Kram hier. Das Volumenvlies hat echt genervt und der ganze Stoff und der ganze Reißverschluss. Das lag hier alles bestimmt.. 2 Monate.. oder 3?! Und dann hat das Projekt angefangen mein Näh-Mojo zu beeinflussen.

Erst habe ich es gar nicht gemerkt. Aber jedes Mal, wenn ich was anderes angefangen habe, habe ich mir gedacht ‘also eigentlich wolltest du ja die Tasche nähen, das liegt hier alles rum’, bis ich auch keine Lust mehr hatte was anderes zu nähen. Und da läuteten sie dann, die Alarmglocken! Immer ein schlechtes Zeichen, wenn ich nicht nähen mag. Oder ein gutes, weil normalerweise liegt es nicht daran, dass ich wirklich nicht nähen will, sondern an etwas anderem was mich stört und es ist immer gut, sowas frühzeitig zu bemerken. Diesmal war es immerhin nur die Tasche. Lächerlich! Dann näh ich die halt jetzt!

 

Problem war wohl der Perfektionismus, mein alter Feind. Die Tasche war nicht bis zum Ende gedacht und ich wollte tolle Features und vielleicht hier noch ne Tasche und dort und das Spinnrad sollte optimal gehalten werden. Und vielleicht richtige Schultergurte? Und und und! Und so, habe ich ihn bezwungen, den Perfektionismus, indem ich einfach angefangen habe. Halt ohne zu wissen, ob ich jedes eventuelle Problem bedacht hatte.

Ich habe beschlossen ohne Schnickschnack zu nähen, einfach nur eine Tasche, in die das Spinnrad passt. Und es passt.

Zu den Details: Begonnen habe ich mit dem Vorderteil, dem ich eine aufgesetzte Tasche spendiert habe. Einfach ein Rechteck ausgeschnitten, einen Reißverschluss dahinter genäht, Abnäher gemacht, festgesteppt. Dasselbe Rechteck habe ich auch aus Futter ausgeschnitten und daraus eine Futtertasche gemacht. Ganz einfaches Teil, das habe ich dann in der Mitte durch eine Naht nochmal unterteilt.

Dann kam der Gurtbandstreifen mittig auf das Seitenteil. Das habe ich oben nicht festgenäht, so dass ich eine Trageschlaufe haben. Dann der Reißverschluss mit 2 Zippern an das Seitenteil. Dann der Boden an das Seitenteil, so dass alles zur Runde geschlossen ist. Futterseitenteil zur Runde geschlossen, an den Reißverschluss genäht. Dann Vorderteile an die Seitenteile genäht.

Das Rückenteil hat Träger aus Gurtband, ich habe einfach das genommen was noch übrig war und das war zu wenig um die Träger verstellbar zu machen. Ich hätte sie allerdings kürzer machen müssen.

Am Ende habe ich dann noch die beiden Rückenteile angenäht und musste eine Wendeöffnung schließen.

Dann habe ich noch das Innenteil mit dem Außenteil an ein paar Stellen miteinander verbunden, weil die Tasche so groß ist und ich habe Gurtband mit Klettverschluss so angebracht, dass das Spinnrad am Rückenteil gehalten wird.

Das Volumenvlies ist am Vorderteil, am Rückenteil und am Boden mit eingenäht, so dass das Spinnrad ordentlich gepolstert ist,

Der Strand der Tasche ist allerdings nicht sehr gut, sieht man ja auf den Bildern. Ansonsten tut sie aber, was sie soll. Ich finde sie sogar echt hübsch, der Ikeastoff ist wirklich schön und ich finde er eignet sich gut für eine Tasche.

Wie ihr seht sind die Dimensionen der Tasche wirklich etwas groß. So ein richtiges Reisespinnrad ist das Bliss halt nicht, das ändert sich durch eine Tasche auch nicht. Für kurze Strecken ist die Tasche aber wirklich praktisch, ich habe halt die Hände für andere Dinge frei. Und das Spinnrad ist stabil in der Tasche. Wenn ich das Spinnrad mal nicht benutzen würde, würde die Tasche es sicher auch dekorativ vor Staub schützen ;) Außerdem kann man super die Zubehörteile in der Tasche verstauen und ein paar Fasern passen da auch locker noch mit rein :)

Ich bin jetzt auf jeden Fall erleichtert das Projekt hinter mir zu haben und freue mich schon darauf beim nächsten Spinntreffen damit anzugeben, hehehe.

Und weil ich gerade dabei bin: Guckt mal mein Spinnrad! Das Schwungrad ist beerenfarbend ( so eine untypische Farbe für mich! ;))! :) Das hab ich lackiert. Naja, ich hab’s abmontiert, bisschen angeraut mit feinem Schmirgelpapier, abgeklebt, alles mit Zeitung ausgelegt und Marvin lackieren lassen. Ne, auch falsch! Marvin hat es netterweise lackiert. Der lackiert nämlich keine Nasen, so wie ich :) Und er lackiert gerne. Und er ist halt auch einfach ein Lieber! Der Lack ist Acryllack von Edding und nennt sich permanent spray, die Farbe heißt beere. Nur falls mir jemand nacheifern will. Könnte ich absolut verstehen, hehe.

So, dass war es von mir. Ich gehe jetzt ein paar Kleider nähen ;) Kann man nie genug haben!

Macht’s gut!

Katharina

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11 Gedanken zu „Eine Tasche für das Bliss

  1. made with Blümchen

    Das ist einfach cool, oder? Wenn man sich für jede Lebenslage die passende Tasche zurechtschneidern kann und sie genau so gestalten kann, wie man sie braucht. Ich habe mir auch schon zwei so komplett angepasste Riesen-Taschen genäht (die reinste Materialschlacht), eine fürs große Klöppelbrett, die andere fürn Plotter samt Zubehör. Seeehr praktisch.
    Dein Spinnrad sieht unglaublich modern aus mit den klaren Formen und vor allem mit dem Lack! (Oh manno, ich kann jetzt nicht auch noch zu Spinnen anfangen.)
    Viel Spaß beim Spinntreffen, aber vorher beim Kleider nähen! lg, Gabi

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    1. Katharina Artikelautor

      Ja, das ist wirklich super. Ich glaube ich finde es aber noch besser mir selbst passende Klamotten zu nähen! Kaufen klappt bei mir nicht!
      Vielen Dank für den netten Kommentar! :)

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  2. 500 days of sewing

    Hi Katharina!
    Ich hatte bis vorhin keinerlei Ahnung was ein „Bliss“ ist und ich wusste nicht, dass man ein Spinnrad auch irgendwo mit hin nimmt . Wobei man sich das früher mit den Nähmaschinen sicher auch nicht gedacht hätte, sonst hätte man sie nicht fest in Tische verbaut ;o). Sehr cool, dass es auch Spinn-Treffs gibt. Gibt es die in dem Ort in dem du wohnst? Hast du darüber schon berichtet? Und dies ist jetzt nur dein mobiles Spinnrad?

    Aber mal zum eigentlichen: Die Tasche! Sehr cool!! Vor allem mal dafür, dass du dich ohne Anleitung dran gemacht hast. Klar bekommt man das mit der Form schon immer irgendwie hin, kann man ja alles ausmessen.. Aber bei mir ist da immer ein Knoten im Kopf was jetzt wie verstürzt werden muss. Was dir echt super gelungen ist, ist dass sie hübsch UND praktisch ist. Die Idee mit den innenliegenden Gurten finde ich toll. Das gibt gleich ein viel sicheres Gefühl, dass nichts kaputt geht beim Transport. Sollte ich jemals eine Nähmaschinentasche selber nähen, werde ich sowas auch machen.
    Die Dimensionen der Tasche ahnt man erst, wenn du sie aufhast. Was ein riesen Teil…..

    Ich habe übrigens auch noch so einen Näh-Bremser hier liegen. Ein Rucksack, den ich (*hüstel*) zum Frühlingsanfang fertig haben wollte. Ich gehe jeden Tag mit einem komplett schwarzen Rucksack zur Arbeit. Da kann ich noch so tolle und farbenfrohe Outfits anhaben, dieser schwarze Rucksack bremst jedes sommerliche Outfit aus… Jedenfalls habe ich seit Monaten (!!) alles zugeschnitten und vorbereitet und müsste jetzt mal „nur noch“ zusammennähen….
    Viele Grüße, Melanie

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    1. Katharina Artikelautor

      Danke Melanie!
      Der Spinntreff ist einen Ort weiter, so 6 km weit weg, also ziemlich nah, andere fahren dafür deutlich weiter. Ich glaub berichtet habe ich darüber noch nicht, nur über das Spinnrad bisher. Das Spinnrad ist bisher mein einziges, ich nehme es also für zu Hause und mobil, aber ich spiele mit dem Gedanken es nur noch für mobil zu nehmen und mir ein schönes anderes zu kaufen :)
      Vielleicht sind Rucksäcke auch einfach generell Nähbremsen! Die sind auch echt fummelig zu nähen! Aber so geht das nicht weiter, schwarzer Rucksack, tssss, nichts wie ran! :)

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  3. Twill & Heftstich

    Wie für meine Vorgängerin hat sich auch mir gerade eine neue Welt eröffnet. Ich kenne Spinnräder nur aus den Märchen und wusste bisher nicht, dass es die inzwischen auch aus MDF gibt, geschweige, dass man damit auf Reisen geht. Insofern war es für mich wirklich: “Heute mal was anderes.” Im ersten Moment etwas schräg wirkende Nähprojekte haben immer meine volle Symphatie! Was mich daran erinnert, dass ich vor meinem Urlaub mit dem Gedanken gespielt habe, mir einen Trekkingsrucksack zu nähen … LG, Manuela

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    1. Katharina Artikelautor

      Schön, dass ich dir was neues zeigen konnte. Ich habe das Spinnen nur durch Zufall entdeckt (reiner Zufall! hahaha) und das Spinnrad hat es mir da echt angetan! :) Gibt aber wirklich ganz viele schöne, moderne Räder auf dem Markt.
      Trekkingrucksack klingt super, ich stelle mir da aber das Materialzusammenstellen echt herausfordernd vor! Das wäre doch mal was…. :D

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  4. Sandra

    Stylisches Spinnrad!
    Puh, ja, diese geplanten und noch nicht begonnenen Projekte nerven echt – kommt mir sehe bekannt vor, Deine Beschreibung ;)
    Aber Ende gut, alles gut : perfekte Tasche für das Spinnen on Tour!
    Liebe Grüße,
    Sandra

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  5. Susanne

    Hui, das ist mal eine große Tasche, da hast du ganze Arbeit geleistet.
    Aber klar, wenn du das Spinnrad transportieren möchtest, braucht es eine entsprechende Hülle; da fragt sich bestimmt so mancher Passant, was du mit dir führst, wenn du mit diesem Gepäck unterwegs bist, : ).
    LG von Susanne

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  6. Punktemarie

    Liebe Katharina,

    Du bist der Knaller :-) Eine Spinnradtasche, da muss man erstmal drauf kommen … Aber klar, wenn man zu Spinnradtref möchte, macht so etwas Sinn. Sie sieht klasse aus. Besonders toll finde ich, dass Du sie selbst konstruiert hast. Sollte ich mich endlich auch mit Spinnen beschäftigen und mir so ein Rad kaufen, frag ich Dich nach der Anleitung.

    Aber nun musst Du auch noch für Diene anderen Utensilien, diesem Kardierkamm und so eine passende Beförderung nähen. D5ück Dir die Daumen, dass es dann keine Nähblocke gibt.

    Viele liebe Grüsse, Brigitte

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    1. Katharina Artikelautor

      Danke Brigitte! :) Neee, dafür näh ich keine Tasche, das ginge mir dann doch zu weit (sage ich jetzt!) ;) Aber ich habe mir ein neues Spinnrad bestellt ;) Das braucht ja dann auch ne Tasche!

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