Coburger Fuchs Cardigan

Die Geschichte dieses Cardigans beginnt beim Naturparkmarkt in Achern im März. Naturparkmärkte gibt es im Schwarzwald in verschiedenen Städten zu verschiedenen Terminen, auf den Märkten verkaufen Landwirte und Erzeuger aus der Region ihre Produkte. Jeder Naturparkmarkt ist unterschiedlich und der in Achern hat Marvin und mir echt gut gefallen. Also wenn ihr mal in der Nähe seid lohnt sich ein Abstecher. In Achern befindet sich auch die Schwarzwälder Spinnstube, die hatte auf dem Markt auch einen Stand. Die Schwarzwälder Spinnstube kenne ich von meinem ersten Besuch der Nadelwelt in Karlsruhe. Guckt euch die Homepage ruhig mal an, die kaufen und verarbeiten Rohwolle von lokalen Schafhaltern und verkaufen die dann wieder in verschiedenste Verarbeitungsstufen. Von ungewaschen und ungekämmt bis zum fertigen Stuhlkissen. Und auf dem Markt habe ich dann einiges mitgenommen. Unter anderem 350g fertig gewaschenen und zum Kardenband verarbeitete Coburger Fuchsschafwolle von Schafen aus Oppenau. Das Cobuger Fuchsschaf ist ein anspruchsloses Landschaf, aus der Wolle werden meist eher Teppiche gemacht. Besonders an der Wolle ist die Farbe, die Wolle hat auch bei erwachsenen Tieren noch eine rötlichen Schimmer, die Grundfarbe der Wolle ist schon weiß aber zwischendrin befinden sich halt rote und dunkelbraune Fasern.

Ich konnte es erstmal nicht übers Herz bringen die Wolle zu färben und habe angefangen sie einfach so recht dünn und mit viel Drall im mittellangen Auszug zu verspinnen. Je mehr Drall in den Singles ist, desto kratziger wird das fertige Garn später. Aber es ist auch haltbarer und ich hatte die Hoffnung, dass es weiger pieksig wird, dass also die einzelnen Fasern weniger rausstehen.  Dass das Vlies sonst für Teppiche verwendet wird konnte ich schnell nachvollziehen, schon beim Spinnen ist das wirklich ganz schön grob, so im Vergleich zu Merino ;)

Das Spinnen war sowieso anders als bei den industriell gekämmten und gewaschenen Kammzügen, die ich sonst verarbeitet habe. Es gab noch Knoten und vor allem auch Wiese in dem Vlies. Das macht es schwieriger gleichmäßig zu spinnen, aber dafür zu einem richtigen Erlebnis. Man merkt halt doch, dass das richtiges Schafsfell ist, das ist schon irgendwie cool :)

Weil ich diesmal wirklich dünn ausgezogen habe habe ich recht lange gebraucht und mich am Ende dazu entschieden 3-fach zu verzwirnen, damit das Garn nicht zu dünn wird. Das fertige Garn hatte dann Sockenwollstärke, also Sport Weight und ich kam auf eine Lauflänge von 425 m /100g. Nicht schlecht!

Mittlerweile fand ich die Farbe so schön, dass ich mich entschlossen hatte die Wolle nicht zu färben. Wobei das Garn sicher auch noch schön aussieht, wenn man die Wolle färbt, die einzelnen Haare nehme die Farbe ja dann unterschiedlich an.

Nachdem das Garn fertig war (baden, trocknen, wickeln) habe ich ein paar Maschenproben gestrickt und mir gefiel das Maschenbild mit 2,5 er Nadeln am besten, damit kam ich auf eine Maschenprobe von 22 M x 31 R = 10 x 10 cm.


Ich hatte erst nach passenden Anleitungen gesucht. Das ist aber gar nicht so einfach bei handgesponnen Garnen, die Maschenprobe entspricht oft nicht der aus den Anleitungen und dann ist man damit beschäftigt umzurechnen und dann muss ich sowieso immer anpassen wegen der Länge und weil ich sowieso eine schlichte Jacke wollte habe ich mir selbst eine Anleitung geschrieben.

Damit die Jacke nach was aussieht habe ich Zöpfe in die Raglanschrägen gesetzt und die dann in den Seitennähten und den Ärmelnähte weiterlaufen lassen. Naja, es gibt weder Seitennähte noch Ärmelnähte, weil ich nahtlos von oben ach unten gestrickt habe, aber die Zöpfe sind da, wo die Nähte ansonsten wären ;)

Ich finde die Zöpfe passen super zu der Farbe des Garns irgendwie. Alles so ein bisschen rustikal oder so.

Die Knopfleisten habe ich diesmal als Krausrippen gemacht, das habe ich bei einem Baby-Cardigan gesehen und das hat mir gefallen, ist etwa unauffälliger als die 2×2 Bündchen finde ich. Dafür ist die ganze Konstruktion deutlich schmaler und elastischer und die Knopfleiste springt schonmal gerne zwischen den Knöpfen auf ;) Ich habe die nämlich auch diesmal nicht verstärkt, weil das die Leisten zu steif hätte werden lassen.

Die Jacke ist insgesamt etwas eng geworden und ich zähle darauf, dass sich das mit dem Tragen noch gibt ;) Gerade bei den Ärmeln habe ich nicht bedacht, dass ich in der Runde etwas fester stricke als in Reihen. Ich hätte die benötigte Maschenzahl also anpassen müssen. Tjaaa, passt trotzdem noch, aber hätte ruhig weiter sein können ;)

Die Jacke ist jetzt durchaus etwas kratzig :D Teppichwolle eben ;) Aber schlimmer als Islandwolle ist die wirklich nicht. Und Islandwolle wird so richtig gehypt. Fährt ein Stricker nach Island kauft der da auf jeden Fall die kratzige Islandwolle. Und alle die nicht stricken kaufen sich da Pullis aus der Wolle und bezahlen da so richtig viel für. Also angemessene Preise, aber in Deutschland würden einem Leute nen Vogel zeigen wenn man Strickpulllis für 200 € und mehr verkaufen würde, vor allem wenn sie jemand von Hand gestrickt hätte (ist halt nicht so fancy wie mit der Maschine, vor allem nicht, wenn da kein Markenname draufsteht!). Diese Isländer, die haben es echt raus! Schade, dass regionale Wolle hier so untergegangen ist und alle gängigen Garnhersteller lieber auf Merino aus deutlich südlicheren Ländern setzen. Und jetzt, wo ich den Unterschied kenne finde ich das wirklich etwas langweilig. Auch wenn mein Garn kratzig ist, so ist es nämlich halt doch was besonders und wird sicher enorm lange halten, weil die Wolle so robust ist. Und die Farbe ist so schön! Aber statt die Wolle zu nutzen und schätzen zu wissen wird sie sogar weggeworfen, nur weil sie nicht weich genug ist. Was ein Verlust!

Immerhin gibt es einige wenige Organisationen, die sich für die Erhaltung von vergessenen Landschafrassen einsetzen, wie halt auch die Schwarzwälder Spinnstube. Das goldenen Vlies sei hier noch erwähnt, eine  Genossenschaft die sich für das goldenen Vlies also die Wolle vom Coburger Fuchsschaf und dessen Verwendung einsetzt. Auf deren Seite kann man alle möglichen Produkte, die aus der Wolle vom Fuchsschaf hergestellt wurden, kaufen, auch fertige Garne. Leider sieht die Seite aus wie Sau, genauso wie die von der Schwarzwälder Spinnstube. Ich schätze das Interesse an regionaler Wolle ist einfach nicht groß genug als dass es sich für die Betreiber lohnen würde etwas Geld in die Website zu investieren, oder es lässt sich nicht genug Geld damit verdienen. Bei das goldenen Vlies habe ich übrigens noch nie was bestellt, habe also keine Erfahrungen dazu.

Ich hatte mal vor einen Post zum Thema lokale und faire Wolle zu schreiben. Das Thema ist aber etwas kontrovers und es gibt Firmen, die zwar mit fairer Wolle werben, bei denen sich aber für mich nicht nachvollziehen lässt, ob die Wolle tatsächlich lokale und fair ist. Ich habe den Eindruck, dass, sobald es wirklich ums Geld verdienen geht die Produktion immer intransparenter wird. Deshalb habe ich mittlerweile mehr Vertrauen in Händler mit schlechten Websiten ;) Die haben keine so argen Gewinnabsichten meist ;) Bei der Schwarzwälder Spinnstube bin ich mir auch sicher, dass sie halten was sie versprechen und dass de Wolle wirklich regional ist. Kommen wir zum Punkt: habt ihr Interesse an einer subjektiven Recherche zu dem Thema? :)

Das war es von mir zu dem heutigen Projekt! Den Cardigan habe ich schon getragen und er ist ideal für den Herbst, recht warm, aber dadurch, dass das Garn so dünn ist nicht zu warm. Etwas eng halt ;) aber er gefällt mir trotzdem sehr. :) Wer mag findet das Projekt hier auf Ravelry.

Habt nen schönen MeMadeMittwoch!

 

Katharina

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38 Gedanken zu „Coburger Fuchs Cardigan

  1. stella selbmann

    Die ist wirklich toll ! Mir gefällt so strukturreiches Garn eh viel besser, als das do h recht glatte Merino. Ich habe mal eine Pullover aus Merino gestrickt, der fristet ein Schattendasein im Schrank. Gegen die Kratzigkeit könntest du ein Lanolin bad versuchen. Und ich denke mit häufigem Tragen gibt sich das mit der Zeit. Auch das Schlichte gefällt mir sehr gut. Ein echtes Sahneteil…Wahnsinn das alles regionale fast ausstirbt nicht wahr ? Siehtan ja auch am Essen. Alle Welt will Chia, dabei sind Alblinsen genauso gut…die kann man halt nur nicht ins Müsli rühren…
    Du bist und bleibst halt ein Fuchs ,quasi rin Coburger Fuchs !
    Liebe Grüße
    Stella

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    1. Katharina Artikelautor

      Ja, das stimmt! Ich bin ein ziemlicher Coburger Fuchs, hehe!
      Ich habe Merino auch ein bisschen aufgegeben. Leiert immer so und ist auch meist nicht so angenehm zu stricke, weil es eben keinen richtigen Griff hat, finde ich.
      Ich denke für regionale Wolle ist der Zug abgefahren und für Alblinsen vielleicht auch, das kommt nicht mehr zurück. Aber vielleicht lassen sich die Handwerksberufe noch retten.

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  2. Bele

    Eine schöne Jacke aus der besonderen Wolle (ich mag ja Coburger Fuchsschaf auch gerne). Was das Schätzen und Vermarkten der regionalen Wollen angeht (und auch das Fachwissen dahinter, scheint mir), beneide ich die Engländer und Schotten wirklich. Hier ist das noch extrem ausbaufähig und kommt nur sehr langsam in Gang. Aus eigener Erfahrung weiß ich auch, dass die Recherche (u.a. wegen der eigenwilligen Webseiten) aufwendig und mühsam ist, würde mich über deine Rechercheergebnisse deswegen um so mehr freuen!
    LG, Bele

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    1. Katharina Artikelautor

      Ja, das stimmt. Die Engländer und Schotten wissen auch wie es geht. Ja, die Recherche ist auch so mühsam, weil der ganze Markt so intransparent ist. Nur wenige Leute scheinen wissen zu wollen, wie die Wolle die sich verstricken entstanden ist und unter welchen Umständen. Ich kann das auch verstehen, immerhin macht man ja den Pulli aus der Wolle schon selbst, und beutet in diesem Arbeitsschritt keine Menschen aus. Dass schon vorher Menschen und Tiere ausgebeutet werden, daran denkt man ja erst, wenn man anfängt zu spinnen :) Zumindest war es bei mir so.

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  3. Susanne

    Sehrsehr schön, dein naturbelassener Cardigan und mir gefällt auch sehr, dass du nur sparsam Muster eingesetzt hast; das passt gut zur Wolle.
    Bissel kratzig würde mich bei einem Jäckchen jetzt auch nicht stören, denn man hat ja in diesem Fall immer etwas drunter an.
    Ich drück mal die Daumen, dass das gute Stück noch ein bißchen nachgibt.
    LG von Susanne

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  4. Raphaele

    Mensch, da liegt ja richtig Herzblut drin! In der Wolle, im Pulli und im Post :o) Mit den Zöpfen ist die Jacke sehr schön geworden, würde auch prima zu einem Dirndl passen ;o) lg, Raphaele

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  5. Nicole

    Ich mag deine Jacke total gern. Und dann auch noch selbstgesponnenes Garn mit einer Geschichte…
    So eine dünne Strickjacke brauche ich auch mal, stricke aber gerade an einem dickeren Kuschelteil in Pink.

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  6. Daniela

    Respekt vor deinem langen Atem! Die Wolle erst zu spnnen, dann zu verzwirnen und dann zu verstricken. Woa! Das hat sicher lange gedauert. Aber die Arbeit hat sich ausgezahlt, dein Cardigan ist wunderschön geworden. Gerade das Rustikale dran mag ich sehr.

    Ich hätte auf alle Fälle Lust auf eine Recherche zum Thema Wolle :)

    LG, Daniela

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  7. SaSa

    Deine ausführlichen Posts sind so schön zu lesen, denn man erfährt immer etwas Neues. Die Wolle ist wirklich etwas besonderes. Leider ist kratzige Wolle nichts, was ich gerne trage, aber so eine Jacke trägt man ja auch über anderen Kleidungsstücken und so ist sie sicher ein Gewinn und wird immer schöner.
    Liebe Grüße, SaSa

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  8. Zuzsa

    Wunderschöne Farbe! Die Wolle hätte ich wohl auch so belassen. Und super interessant, was du zum Thema Wollherstellung schreibst. Wie bei so vielen Handwerken finde ich es echt schade wie viel hier regional einfach ausstirbt. LG, zuzsa

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    1. Katharina Artikelautor

      Danke Zuzsa. Ja, das ist echt schade und ich glaube der Prozess ist schon vor etlichen Jahren in Gang gesetzt worden und so langsam merken wir was das überhaupt bedeutet. Irgendwie verliert man durch die Industrialisierung und Globalisierung doch Kultur, so scheint es mir. Das ist wirklich schade.

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  9. Punktemarie

    Liebe Katharina,

    Deine Jacke ist wunderschön :-) Ganz toll sieht die Wolle aus und Dein Schnitt mit den Zöpfen ist klasse :-) Echt super !! Mir persönlich wäre sie etwas zu körpernah, ich mag immer lieber ein bisschen Ease :-) Aber da ist ja jeder anders…

    Deinen Bericht über die Wolle, deren Herkunft etc. habe ich mit großem Interesse gelesen. Das ist für mich alles ziemlich neu, aber super interessant. Also wenn Du Zeit und Muse für eine solche Recherche hättest, ich würde mich darüber freuen :-)

    Viele liebe Grüße und viel Spaß mit dieser wunderschönen Jacke, Brigitte

    P. S. Und die Farbe ist perfekt … diese Jacke darf man nicht färben :-)

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    1. Katharina Artikelautor

      Vielen Dank Brigitte. :)
      Das ist schön zu hören, dass du das interessant bist, dann bin ich doch jetzt direkt motivierter eine solche Recherche mal ernsthaft zu starten :)

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  10. kuestensocke

    Oh mein Gott! Ich verneige mich demütig vor Deinem Können. Das Garn so dünn zu spinnen und so eine schöne Jacke draus zu stricken, ich bin sehr ehrfürchtig. Da stecken ja an die 100 Stunden Arbeit drin, oder so. Wahnsinn. Die schmale Form der Jacke gefällt mir sehr, nimmt etwas von der Rustikalität, das finde ich toll. LG Kuestensocke

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  11. Katharina

    Ich finde die Farbe auch super und die Knöpfe erst!
    Schade das er dann doch ein ticken zu eng geworden ist… aber gut er steht dir trotzdem und solange du noch ein T-Shirt drunter anziehen kannst reicht das ja für den Herbst ;-)
    Über eine Recherche zu regionaler / Nachhaltiger Wolle würde ich mich freuen. Ich schaue auch immer ob es irgendwas in der Region gibt oder zumindest in Deutschland…. Manchmal findet man dann Schäfer die Ihre Wolle anbieten wobei ich mich dann immer frage wo diese große Stückzahl herkommt wenn er nur eine Herde hat. OK, vielleicht bin ich da auch zu unerfahren :D

    Liebe Grüße
    Katharina

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    1. Katharina Artikelautor

      Danke :)
      Jaaa, teilweise ist das echt intransparent. Dann heißt es erst: regionale Wolle und weiter unten dann ‚aus ganz Europa‘. Und da kann man schon froh für sein, dass das da überhaupt steht.

      Antworten
  12. Marthe

    Liebe Katharina,
    was für ein schöner Bericht über die Reise vom Erwerb des Vlies bis hin zu deiner Strickjacke, die mir sehr gefällt.
    Ich hätte großes Interesse die Ergebnisse deiner Recherche zum Thema faire und lokale Wolle zu lesen. Ich selbst versuche immer darauf zu achten, woher meine Wolle kommt und die Wolle aus kleineren Betrieben ist auf jeden Fall auch die, die ich am meisten schätze. Ich habe aber auch das Glück in England zu leben, wo es wirklich viele lokale Betriebe gibt. Schade, dass das in Deutschland so selten ist. Trotzdem freue ich mich immer wieder über Sachen, wie die Schwarzwälder Spinnstube zu lesen und zu sehen, es gibt sie doch, die lokale Wolle. Ich hoffe ja immer, dass so nach und nach erkannt wird, was für einen Wert ein handgestrickter Pullover, auch aus regionaler Wolle, hat.
    Was die Kratzigkeit betrifft, ist das natürlich wirklich nicht jedermanns Sache. Ich bin selbst ziemlich empfindlich, aber ich versuche mich Stück für Stück ran zu tasten, denn je robuster die Wolle desto langlebiger und desto schöner das Produkt ;)

    Liebe Grüße
    Marthe

    Antworten
    1. Katharina Artikelautor

      Dankeschön Marthe für den netten und informativen Kommentar! :)
      Klasse, dass es in England viele lokale Betriebe gibt. Das finde ich richtig gut und das war mir gar nicht bewusst.
      Das hoffe ich auch! Und ich hoffe dass so ein kleiner Post von mir dabei hilft und ein unterstützender Kommentar von dir :) Irgendwo muss man ja anfangen!
      Ich glaube auch, dass man sich an die Kratzigkeit gewöhnen kann und ich finde auch, dass es das wert ist :)

      Antworten
  13. Barbara

    Liebe Katharina,
    jetzt weiß ich gerade nicht, was ich toller finden soll: die Jacke, die ich so wunderschön finde (diese Raglanzöpfe!), oder die Tatsache , daß Du hier alles, angefangen vom Spinnen, über Entwurf und Stricken selbst gemacht hast… nein, am tollsten finde ich eindeutig Deine Unterstützung der lokalen Anbieter und der örtlichen Schafzüchter. Das ist ja wohl wirklich schwierig für die Schafzüchter, die Wolle der deutschen Schafe loszuwerden, da alle Welt nur Merinowolle will, und Merinoschafe fühlen sich im deutschen Klima halt nicht wohl. Ich habe vor kurzem gelesen, daß manche Schafhalter in Schleswig-Holstein ihre Wolle wegwerfen, weil sie keinen Käufer finden. Und geschoren werden müssen die Schafe ja trotzdem , damit es ihnen nicht zu warm wird im Sommer. Sehr , sehr gerne würde ich mehr darüber auf Deinem Blog lesen!
    LG Barbara

    Antworten
    1. Katharina Artikelautor

      Danke Barbara, das freut mich.
      Merino Schafe fühlen sich im deutschen Klima wohl. Es gibt in Deutschland Merino Schafe. Soweit ich weiß kommt die Rasse aus Deutschland und wurde dann nach dem Krieg als Reparation an die Alliierten gegeben. Es ist sogar so, dass sich Merino Schafe in deutschem Klima deutlich wohler fühlen als zB. in australischem. Vielleicht hast du schonmal von mulesing gehört? Das ist eine Praxis bei dem den Merino SCcafen vorsorglich Hautfalten am Hintern (meist ohne Betäubung) weggeschnitten werden. Alle wollen jetzt mulesingfreie Wolle. Aber mulesing ist m.E. nach nicht die Wurzel des Problems. Mulesing muss nämlich betrieben werden, damit fleischfressende Bakterien, die sich in dem Klima wohlfühlen, die Schafe nicht bei lebendigem Leib verspeisen. Helfen würde also nur: ein anderes Klima. Aber die Wolle ist durch das Klima viel feiner als die der Merino Schafe in Deutschland. Und so nimmt man das in Kauf.
      Dankeschön für deine Rückmeldung :)

      Antworten
  14. Sarah

    Wenn ich den Werdegang und die Vorgeschichte so eines Kleidungsstückes bei dir sehe bekomme ich richtig Gänsehaut … das spricht total die Urinstinkte in mir an ! manchmal hat das so etwas urtümliches ich glaube ich hätte damals auch schon in der Höhle gestanden am Webstuhl und rumgesponnen und irgendwas zusammengenäht sehr faszinierend… leider kann ich sowas ja gar nicht… also die Wolle selber herstellen meine ich das ist ja noch mal viel mehr als einfach nur zu stricken… und die Jacke ist so wie sie ist einfach perfekt und steht dir ausgezeichnet…

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  15. Sandra

    Ganz meins!!
    Kann Coburger Fuchsschaft kratziger sein als mein Lieblings-Holst??
    Ist halt durchblutungsfördernd, kann also nicht schlecht sein ;)
    Und was beneide ich Dich – ich schaffe grad zwei-drei Reihen PRO WOCHE…
    Liebe Grüße!
    Sandra

    Antworten
  16. Malou

    Deine Jacke ist wunderbar geworden. Ich finde Wolle mit Charakter ja so viel schöner als Merino. Wunderbar, dass es dir gelungen ist, die Wolle so fein auszuziehen. Mein Fuchspelz ist mit vierer Nadeln viel dicker und robuster, aber für die aktuellen Temperaturen als Outdoorjacke super. Mit den Zöpfen ging es mir damals auch wie dir – die Wolle verlangte einfach danach.
    Ich hänge dir nochmal zwei Links zu regionaler Wolle an. Ich finde das ein enorm wichtiges Thema und würde mich über Recherche dazu freuen. Zumal Wolle ja nicht nur für Textilhersteller interessant, sondern auch ein hervorragendes, flammhemmendes Isolationsmaterial und damit auch für den Bau geeignet ist.
    http://gutewolle.blogspot.de/
    Hier geht es in erster Linie um mulesingfreie Wolle, es sind ganz aber regionale Anbieter versammelt, Wollsorten beschrieben, Methoden erklärt.
    http://www.wollzentrum.de/
    Das Wollzentrum ist eine regionale Sammelstelle heimischer Wolle in der Sächsischen Schweiz/Osterzgebirge, die ihre Produkte auch verkauft.
    Herzliche Grüße,
    Malou

    Antworten
    1. Katharina Artikelautor

      Klasse Malou! Vielen Dank für die Links! Ich habe schonmal eine Liste angefangen und werde beide Links aufnehmen! :) Und der Hinweis zur Wärmedämmung ist auch gut! Davon habe ich auch schon gelesen und letztens mal mit jemandem geredet, der sein Dach komplett mit Vliesen gedämmt hat. Echt ein interessanter Aspekt und totale Verschwendung, dass Wolle weggeschmissen wird.

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  17. Nähhörnchen

    Ich finde ja deine Ausdauer immer wieder bewundernswert, erst die Wolle so dünn verspinnen und dann auch noch verstricken, für eine Jacke aus Sockenwolle würde ich ein Jahr brauchen und hätte spätestens nach der Hälfte keine Lust mehr. Vor allem mit der Aussicht auf anschließendes Gepieke. Ich finde es auch schwierig im Netz viel zu regionaler Wolle zu finden. Da ich an der hessischen Bergstraße wohne, habe ich dazu in dieser Gegend gesucht und bin auf diesen Artikel http://endlichgutes.de/voll-in-der-wolle/ und darin auf diesen Link http://handwerksprodukte.de/Textilwaren/ gestoßen.

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  18. made with Blümchen

    DAS, liebe Katharina, finde ich eine großartige Idee: Eine Serie über regionale Wollproduzent/innen, ich habe großes Interesse. Bzw. trage ich mich schon länger mit dem Gedanken, eine Open Map anzulegen ähnlich wie die Stofflandkarte, aber eine, auf der regionale Wollproduzenten eingetragen sind. Sodass man da z.B. im Urlaub vorbeifahren kann. Oder aber erst draufkommt, dass es sowas wie Wolle-nicht-aus-Südamerika überhaupt bei einem selbst daheim ums Eck angeboten gibt! Was meinst du, wärst du dabei, so eine Plattform zu bewerben, damit möglichst viel Information zusammen kommt?
    Ich glaube nämlich, du triffst da einen Nerv, im Zeitgeist. Abgesehen von Schafen gibt es ja in Europa auch immer mehr Alpaka-Farmen, die wiederum ihre Wolle auch regional verkaufen. Wolln wir uns mal außerhalb zusammen-mailen? lg, Gabi

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  19. Christiane

    Liebe Katharina,
    was für ein spannender Post, den ich sehr gerne gelesen habe! Das Thema regionale / faire Wolle interessiert mich sehr, und ich würde mich freuen, wenn du bei Gelegenheit nochmal mehr dazu schreibst.
    Ich bewundere es sehr, wie du deinen Cardigan wirklich von A bis Z selbst erstellt hast! Ich finde ihn wunderschön, genau die richtige Priese Rustikalität für die regionale Wolle und eine tolle Anleitung. Zöpfe anstatt der Nähte habe ich noch nie gesehen und finde ich super!
    Mir geht es bei fast jeder Jacke so, dass ich vergesse, dass ich Runden enger stricke, und dass die Ärmel dann oft recht eng werden :)
    Liebe Grüße
    Christiane

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