Alter Schnitt, neues Kleid: Hawthorn

Und nicht nur der Schnitt meines neusten Kleides ist alt, der Stoff ist es auch. Der lag hier Jahre im Schrank und er ist auch immerhin einmal mit umgezogen. Ich habe mich selbst ausgetrickst und eine Zeit lang keine neuen Stoffe gekauft, so dass ich endlich mal meine alten verarbeite. Das hat so semi gut geklappt. Vor allem hat es dazu geführt dass ich weniger Lust hatte überhaupt zu nähen. So wird man den alten Stoff dann auch nicht los. Also bin ich los gezogen, habe mir neuen Stoff gekauft, vorher aber diesen einen alten angeschnitten! Als Kompromiss sozusagen.

Gekauft habe ich den mal beim Stoffmarkt in Karlsruhe. Ist so ein 110cm breit liegender amerikanischer Patchworkstoff, 100 % Baumwolle und so mittel steif. Kurzum ein Stoff mit dem ich gerne nähe, weil es so schön einfach ist und weil er so schön bunt ist. Ich hatte den für eine Bluse angedacht, ich fand den schon direkt beim Kaufen nicht soo besonders, aber er war heruntergesetzt. Ich Sparfuchs wieder. Der Stoff hat auch Farben die ich mag und Paisley geht eigentlich auch immer. Der Verkäufer wollte mir dann aber die geforderten 2 m nicht verkaufen, dann wären nur noch so um die 50-60 cm übrig gewesen und er wollte den Stoff los werden. Statt mir dann ein Angebot zu machen und mir die 2.60 für sagen wir 2,30 m zu geben, wie das ja eigentlich üblich ist, hat er darauf bestanden, dass ich die 2,60m für den Preis von 2,60 m nehme. Sonst wollte er den Stoff nicht verkaufen. Und ich hab das dann gemacht. Aus Prinzip hätte ich da eigentlich schon gehen sollen. Ich brauchte ja nur 2,0 m und habe mich da erpressen lassen. Fühlte sich zumindest so an. War jetzt nicht super schlimm, ist mir aber in Erinnerung geblieben und ich glaube, das hat dazu beigetragen, dass ich den Stoff über Jahre nicht vernähte habe. Was auch echt ziemlich doof ist.

Jetzt war seine Zeit gekommen. Ich hatte viele verschiedene Ideen was ich aus dem Stoff machen könnte. Am Ende ist er ein Hawthorn-Kleid geworden. Das war schön einfach, ich weiß dass ich den Schnitt mag, aber den schon vor langer Zeit angepasst und trage alle meine drei bisherigen Versionen sehr gerne. Genau das was man braucht um aus einem selbstfabrizierten Nähtief zu kommen und endlich einen alten Stoff wegzunähen.

Ich habe den Schnitt so genäht, wie ich ihn hier hatte, in Größe 2. Jetzt nehme ich im Moment zu. Und im Moment bedeutet: seit einem Jahr. Vor einem Jahr habe ich nämlich wohl stressbedingt ohne es zu merken abgenommen, so dass ich ziemlich dürr war. Ich bin schon immer schlank und ich nehme nicht schnell zu. Liegt wahrscheinlich auch an der Größe. Und sonst habe ich mich immer im unteren Normalbereich bewegt, was so lange in Ordnung ist bis man aus welchem Grund auch immer mal eine Zeitlang Gewicht verliert. Das kann Stress sein, oder eine Krankheit. Da hat der Körper dann keine Reserven mehr und das habe ich vor einem Jahr gemerkt. Also seit dem esse ich viel Sahne ;) Jetzt bin ich an einen Punkt gekommen, an dem die ersten Klamotten anfangen etwas spack zu sitzen. Es wäre jetzt also blöd neue Kleider in der alten Größe zu nähen. Eigentlich ist es sowieso blöd jetzt Kleider zu nähen bevor ich bei einem Gewicht angekommen bin, das mir gefällt. Aber ihr wisst schon: wo bleibt dann der Spaß?! Also whatever! Ich brauchte schelle Erfolge!

Ich habe also wieder einen Kompromiss gemacht: ich habe Größe 2 zugeschnitten, das Kleid aber so genäht, dass ich es ganz schnell an den Seitennähten weiter machen kann, wenn es so weit ist. Meine vorherigen Hawthorn Kleider gehören auch eh nicht zu denen, die jetzt spack sind, die waren eh etwas weiter. Also war das okay! Ich bin also beim Nähen von der Anleitung abgewichen und habe erst die beiden Vorderteile und das Rückenteil fertig gemacht inklusive Taillennaht und erst dann habe ich die Seitennähte von Achseln bis Rocksaum geschlossen.

Außerdem habe ich die Seitennähte geoverlocked statt französische Nähte zu machen. Das ist wirklich ein großer Nachteil an französischen Nähten: die kann man nicht später wieder weiter machen. Die Nahtzugaben werden da ja komplett zurück geschnitten. Da habe ich in der Vergangenheit überhaupt keinen Gedanken dran verschwendet und ich fürchte das wird dazu führen, dass ich einige Kleider weg tun muss, weil sie sich nicht ändern lassen. Aber ich bereue nichts! Das bedeutet immerhin, dass ich mehr neue Kleider nähen kann ;) Und französische Nähte zu machen macht mir Spaß! Und ich finde das sieht auch viel schöner aus als die Overlocknähte. Vor allem an den Taschen. Aber ist ein Kompromiss mit dem ich leben kann und an den Taillennähten konnte ich mich dann immerhin ausleben.

Und weil wir gerade beim Versäubern sind: den Beleg habe ich nicht zweimal umgeschlagen und abgesteppt. Das trägt auf. Statt dessen habe ich den Rand auch einfach geoverlocked und dann im Nackenbereich von Hand unsichtbar festgenäht. Wenn man das nicht tut dann klappt der Beleg im Nacken bei den Schnitt immer raus. Und was bei dem Schnitt auch passiert ist, dass sich der Kragen aufstellt, weil es keinen Kragensteg gibt. Immerhin weiß ich jetzt wofür es einen Kragensteg gibt, schlaue Erfindung! Ein Mittel gegen den klappenden Kragen habe ich noch nicht gefunden (also außer einem Kragensteg jetzt.. aber dafür ist es ja jetzt zu spät!). Vielleicht sollte ich den Kragen im Nacken unauffällig mit ein paar Stichen fixieren? Habt ihr Tipps?

Die Taschen sind übrigens im Schnitt nicht enthalten, die habe ich von einem anderen Schnitt geklaut. Nächstes Mal und überhaupt jedes Mal wenn ich an Kleider Taschen bastele sollte ich mich daran erinnern Taschen zu nehmen, die in der Taillennaht mitgefasst werden, dann schlabbern die nämlich nie durch die Gegend!

Und ein weiteres Geheimnis dieses Schnitts habe ich übrigens gelüftet: ich habe mich gefragt, warum man das hintere Rockteil nicht im Bruch zuschneidet, sondern laut Schnitt als zwei Teile, die man dann zusammen näht. Das macht man, weil der Stoff nur 110 cm breit ist ;) Dann passt das nämlich nicht. So habe ich es hier auch gemacht. Während des Zuschneidens ist es mir allerdings nicht eingefallen zumindest bei dieser Naht zu schauen, dass das Muster später ordentlich aufeinander trifft. Ich hätte aber auch nicht genug Stoff gehabt. Das Gleiche bei der vorderen Mitte. Da ist es eigentlich sogar noch schlimmer. Aber ich kann damit leben! Ist halt ein Kompromiss dieses Kleid. Ich hatte viel Spaß beim Nähen und ich werde es sicher gerne tragen. Win win also!

Das war’s von mir. Ich werde mich jetzt erstmal an die neuen Stoffe machen und mir viele neue weitere Kleider nähen, zur Motivation ;)

Macht’s gut!

Katharina

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24 Gedanken zu „Alter Schnitt, neues Kleid: Hawthorn

  1. Isabelle

    Liebe Katharina!

    Colette Pattern funktioneren bei Dir? Ich habe ein mittelprächtiges Drama mit dem einen Kleid von Colette Patterns erlebt (Peony Dress), you know – der Schnitt ist auf der Homepage übrigens nicht mehr drauf… warum wohl? – und ich hab bisher einen ultragroßen Bogen um die Schnitte von Colette gemacht, wobei mir die Sachen immer echt gut gefallen. Lohnt es sich nochmal einen Anlauf mit Colette zu starten? Das Hawthorn hätte ich nämlich auch gern… ;-)
    Sitzen die anderen Schnitte von Colette besser?

    Lg, Isa

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    1. Katharina Artikelautor

      Hey Isa!
      Ich habe gerade nachgesehen, Peony ist noch auf der Homepage, hier. Ich habe den Schnitt auch schon genäht und das Kleid mittlerweile entsorgt, das saß nicht gut und der AUsschnitt hat immer geklafft. Einen neuen Versuch habe ich nicht gestartet. Mit Laurel hatte ich auch Probleme und mit Aster und Dahlia. Die letzten beiden aber vielleicht auch nur wegen meiner geraden Schultern. Hawthorn war glaube ich mein erstes Colette Kleid und das hat auf Anhieb gepasst. Die Armlöcher sind ein bisschen eng. Ich habe nur die Länge anpassen müssen. Hawthorn habe ich auch schon auf einigen Blogs gesehen und ich kann mich nicht erinnern, dass jemand mit dem Schnitt Probleme hatte. Die neue Version von Rue war übrigens auch super. die beiden Schnitte würde ich bedenkenlos weiter empfehlen, tob dich aus ;)

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      1. sandra

        Ich mag Hawthorn auch sehr! Auch wenn ich bislang nur die Blusenvariante genäht habe, passt diese sehr gut.
        Schnelle Erfolge bräuchte ich momentan auch, hänge ebenfalls im Nähtief.
        Fast hätte ich sogar an einem Probestricken teilgenommen *lol*
        Klasse, dass Du das Mysterium des geteilten Rockteiles gelüftet hast – ich hatte auch schon nach versteckten Abnähern gesucht, aber so macht das natürlich Sinn…
        Auf viele weitere tolle Kleider!
        Liebe Grüße,
        Sandra

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  2. Anja

    Ein schönes Kleid mit einer wunderbaren Geschichte mal wieder. Den Schnitt kannte ich auch bisher nicht. Gefällt mir gut. Und Lila ist echt was anderes… LG Anja

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  3. Irene

    Tja das Thema mit der Stoffdiät beschäftigt mich hier auch immer.
    Immer wenn man sich vornimmt, keinen neuen Stoff zu kaufen, bevor der alte nicht vernäht ist, kauft man trotzdem lieber neue Stoffe ein.
    Oder man verliebt sich in einen Schnitt und die Stoffe am Lager passen nicht dazu.

    Dein Kleid ist sehr schön geworden. Gute Wahl mit dem Stoff und dem Schnitt.
    Die Farben des Stoffes gefallen mir sehr gut.

    GLG Irene

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    1. Katharina Artikelautor

      Vielen Dank Irene! :) ich denke ich muss einfach mal ein paar Stoffe verschenken oder vertauschen, macht ja weder Spaß die zu horten noch die zu vernähen.

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  4. Twill & Heftstich

    Einen Stoff aus dem Lager verbrauchen und einen neu kaufen, finde ich eine super Lösung! Ist ja auch niemand geholfen, wenn man über dem Stoffdiäten die Lust am Nähen verliert. Das Kleid in dem Patchworkstoff ist ein echter „Katharina“. Deine Version gefällt mir besser als das Original bzw. hatte ich nur die langärmelige Version von Hawthorn im Kopf, die ich recht brav finde. Ärmellos und mit Taschen sieht es klasse aus, es erinnert mich ein wenig an Dein Matilda Dress. Dieser Kleidertyp steht Dir einfach gut. Liebe Grüße, Manuela

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    1. Katharina Artikelautor

      Danke Manuela! :)
      Die Produktfotos sind wirklich ziemlich brav aber es gibt einige bunte und wilde Versionen des Schnitts in den Tiefen des Internets! :) Und da sagst du was: von dem Matilda Dress wollte ich auch noch eine zweite Version machen!

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  5. Susanne

    Ja, komisch; zu Stoffen die bei mir länger liegen, greife ich auch selten, aber jetzt ist der Stoff ja an dir, als sehrsehr hübsches Kleid.
    Ich nähe französische Nähte ja nicht so gern und mache es nur, wenn der Stoff nicht ganz blickdicht ist; eine geoverlockte Innenverarbeitung sieht doch sauber aus.
    Was man bei einem Kragen macht, der sich gern aufstellt, weiß ich leider nicht; bin gespannt, ob du dazu noch Tipps bekommst.
    LG von Susanne

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    1. Katharina Artikelautor

      Danke Susanne! :)
      Was mir vor allem bei geoverlockten Nähten nicht so gefällt ist, dass sie nur kurz nach dem Bügeln so liegen wie sie sollen, danach, vor allem ach dem Waschen liegen die immer eher so irgendwie. Aber so richtig schlimm ist das wirklich nicht und bei Jeans zum Beispiel finde ich geoverlockte Nähte auch schöner. Gewöhnungssache vielleicht..

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  6. Barbara

    wunderschönes Kleid, sieht eigentlich so aus, als ob Du diesen Stoff gezielt für dieses Kleid gekauft hättest:-)) ich kenne das Problem mit den älteren Stoffen: wenn die mal im Stapel nach unten gerutscht sind, hat man schon gar keine Lust mehr darauf. Wobei ich dann manchmal unten im Stoffstapel auch wieder Schätze entdecke, die ich längst vergessen hatte. Ich denke mittlerweile, daß man vielleicht gar nicht jeden Stoff vernähen muß, den man mal warum auch immer gekauft hat. Nähen ist mein Hobby, und Stoffkaufen und Pläne machen gehört für mich zum Hobby dazu und soll mir Spaß machen. Und wenn dann daraus kein Kleidungsstück für mich wird, finde ich das auch nicht so schlimm. Manche Stoffe habe ich schon verschenkt, andere zu Testmodellen verarbeitet oder eine Schnittkonstrukion ausprobiert.
    Aber Dein Kleid ist wie gesagt toll aus diesem Stoff, das wäre doch echt schade, wenn Du ihn nicht verarbeitet hättest!
    LG Barbara

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    1. Katharina Artikelautor

      Vielen Dank Barbara!
      Da stimme ich dir zu. Für mich ist so eine Stoffdiät denke ich auch einfach nichts. Ich vernähe meine Stoffe aber normlaerweise auch recht zügig und hab kein allzu großes Lager. Wenn da was liegen bleibt hat das einen Grund. Ich muss echt mal ausmisten!

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  7. cutiecakeswelt

    Liebe Katharina,
    wieder ein wunderschönes Hawthorn was du genäht hast, gefällt mir gut.
    Ich weiß noch, dass du dran Schuld bist, das auch ich bereits 2 Kleider davon habe. (okay in die ich eher mühsam noch passe). Aber ich habe den Schnitt bereits angepasst und werde mir noch eine weitere Version nähen. Mit Ärmel und eher Business. Ich bin schon gespannt.
    Auf jeden Fall werde ich den Beleg wohl auch nicht umschlagen sondern nur mit der Overlock nähen, danke für den Tipp.
    Liebe Grüße,
    Dana

    Antworten
    1. cutiecakeswelt

      PS. Übrigens kenne ich das Problem mit alten Stoffen auch. Ich räume gerade das Nähzimmer auf und finde Stoff, der hat schon Jahre auf dem Buckel. Der müsste dringend vernäht werden, ist auch nicht schlecht. Aber auch irgendwie nicht mehr ich und so komme ich nicht in Nählaune, einfach weil ich keine neuen Stoffe kaufen will, aber die alten auch nix sind.

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      1. Katharina Artikelautor

        Vielen Dank Dana :)
        Schön, dass ich das schuld bin :) Ich bin auf deine Business Version gespannt, ich hoffe du bloggst dann darüber :)
        Dann schau doch besser, dass du die Stoffe los wirst. Vielleicht kannst du die ja sogar vertauschen? Oder zumindest verkaufen. Dann freut sich jemand anderes darüber und du hast den Kopf frei für neue Projekte :)

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        1. cutiecakeswelt

          Ja das Bloggen ist bissli kurz gekommen in letzter Zeit, aber das soll sich wieder bessern. Die Business-Version wird sicherlich online gehen.
          So mache ich das auch mit dem Stoff. Ich habe heute schon eine größere Kiste verschenkt. Und ich Schaue wo ich den anderen Stoff noch unterbringen kann. Das hatte ich schon lange vor, aber auch da immer gesagt, ach kannst du sicherlich nochmal vernähen. Und am Ende mache ich es dennoch nicht. Also geht jetzt alles raus. Und ich starte mehr oder weniger bei „Null“ und versuche deutlich kontrollierter zu kaufen.
          Liebe Grüße

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  8. Punktemarie

    Hallo Katharina,

    man, hier hab ich auch ich nix zugeschrieben… Asche auf mein Haupt… Aber besser spät als nie :-) Also für einen Kompromiss finde ich das Kleid perfekt. Das mit dem genau passenden Muster an Schnittlinien ist immer so eine Sache. Ich finde das toll, aber ich krieg das auch nie hin. Bin mir aber auch nicht sicher, ob das wirklich muss, manchmal sind die Klamotten dann zu perfekt… und das sieht dann irgendwie gekünstelt aus.
    Lustig finde ich Dein Zunehmen :-) Bei mir läuft es genauso, aber ich fand weniger besser. Kann Dir ja was von mir geben, dann hast Du schneller Deine Wunschfigur und kannst mit neuen Kleidern loslegen :-)

    Viele liebe Grüße, Brigitte

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    1. Katharina Artikelautor

      Ja, wenn das ginge, das wäre super! ;) Ich finde das wirklich ärgerlich, dass mir jetzt nicht nur alle meine sorgfältig über die Jahre genähten Klamotten zu eng werden, sondern dass ich auch alle Schnitte neu abzeichnen muss oO. Habe erstmal welche zum Plotten geschickt. Vielen lieben Dank für deinen Kommentar :)

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