Matilda Hemdblusenkleid

Auf dem Kleid saß ich jetzt echt lange! Im März habe ich für Megan Nielsen probegenäht. Ein Kleid! Und das ist jetzt endlich offiziell erschienen und ich darf darüber bloggen :) Das Kleid heißt Matilda und ist ein Hemdblusenkleid mit vielen netten Details. Und so habe ich, als ich im Februar gefragt wurde ob ich probenähen mag zugestimmt. Das ging alles ungewöhnlich einfach. Erstmal war es nicht so, dass ich mich ‚bewerben‘ musste. Ich habe eine Mail bekommen, da standen die Bedingungen, Größen und der Zeitrahmen drin und dann konnte ich auf einen Button klicken, wenn ich denn wollte und schon war ich dabei. Das Schnittmuster kam dann einige Tage später auch automatisch als Mail. Ich wusste zu jeder Zeit an wen ich mich bei Fragen oder Problemen wenden kann und gleichzeitig war alles schon vorbereitetet für den Standardfall dass keine Probleme auftreten.

Kommen wir zum Kleid. Ein Hemdblusenkleid, wie gesagt, mit optionalen Brusttaschen, aufgesetzten Hüfttasche, einem Taillenband, einem weit geschnittenen A-Linien -Rock, Passen am Vorder- und Rückenteil, Prinzessnähten und überschnittenen Ärmeln. Eignet sich hervorragend um Streifen zu vernähen fand ich und weil ich irgendwann im Februar eh gerade in Duisburg war, bin ich in meinem Lieblingsstoffladen in Moers vorbei gegangen und habe mir einen blau-weiß gestreiften Baumwollstoff mitgenommen. Der ist irgendwie behandelt und glänzt sehr schön :) Viel zu viel hatte ich. Der Schnitt verlangt 3,2 m für XS und ich habe sogar 2,5 m gekauft (weil.. ich mein.. als würde ich JEMALS die angegebene Menge Stoff kaufen, ich alter Fuchs!), bin aber so mit 2,0 m ausgekommen. Aber ich mein… ich bin ja auch ein Fuchs!

Bevor ich zugeschnitten habe habe ich mir die Schnittzeichnung ausgedruckt und Streifen in verschiedenste Richtungen aufgemalt um mal so zu gucken wie das wirkt. Im Endeffekt habe ich mich für folgende Variante entschieden (also Marvin hat sich entschieden.. also ich habe Marvin entschieden, er musste!):

Ihr versteht jetzt vielleicht warum ich sonst keine Fashionskizzen meiner Klamotten mache im Vornherein. Junge, was bin ich schlecht im Zeichnen :D Das ist aber nicht schlimm, ich mache es trotzdem gerne, hehe, Sieht nur immer aus wie Kindergarten. Aber ist ja auch schön ;) Ne, man kann ja nicht alles können!

So weiter im Programm!

Ich habe diesmal Größe XS genäht. Normalerweise nähe ich aus irgendeinem Grund gerne Größe S bei Megan Nielsen Schnitten, obwohl ich laut Maßtabelle Größe XS habe. Bei Röcken kam das immer sehr gut hin, mein Darling Ranges Kleid könnte es aber wirklich ne Nummer kleiner sein. Also habe ich diesmal der Maßtabelle getraut und mich für XS entscheiden. Das ist übrigens schon die kleinste Größe. Normal ist da immer noch eine unter mir.  Vor dem Zuschneiden habe ich den Schnitt noch um die für mich üblichen Maße verlängert, diesmal auch den Rock, weil ich wollte dass der mir über die Knie reicht (ihr wisst schon: Bahnpolster die man nicht berühren will!). Außerdem habe ich ein Probeteil genäht. Bei Darling Ranges hatte ich Probleme mit den Schultern, meine sind recht gerade, hier musste ich aber nichts anpassen und ich konnte zuschneiden.

Die Brusttaschen habe ich dann direkt weggelassen, damit das nicht alles noch zu viel wird mit den Streifen. Und die breiten Bündchen/Ärmelabschlüsse fand ich auch nicht so schön und habe die Ärmel statt dessen mit Schrägband versäubert. Die Naht in der hinteren Mitte des Rocks habe ich auch direkt weggelassen. Ich denke die ist deshalb da, damit man den Schnitt auch auf 1,10 m breiten Stoff bekommt. Mein Stoff war breit genug und so habe ich den Rock einfach im Bruch zugeschnitten (vorher habe ich natürlich die Nahtzugabe an der hinteren Mitte entfernt).

ich war ganz froh, dass die Streifen eher dünne Ringel sind, da ist es nicht so schlimm, wenn die mal nicht 100 % symmetrisch sind. Und dadurch dass die Streifen überall unterschiedlichen laufen brauchte ich auch nicht sonderlich aufpassen, dass sie sich irgendwo genau treffen. Außer an den Seitennähten.Und das hat so semi geklappt ;) Gut dass meine langen Arme da eh drüber hängen! Ne, stimmt gar nicht, das Ergebnis ist okay! ;) ich wollte die Arme nur trotzdem nicht unerwähnt lassen.

Ich hätte viel mehr absteppen können, fand aber dass unabgesteppt netter aussieht und habe nur da, wo ich ansonsten von Hand nähen hätte müssen abgesteppt. Kragen, Knopfleiste, Ärmel und Saum :)

Weil das Kleid mit den überschnittenen Ärmeln prädestiniert für den Sommer ist (unter einem Cardigan tragen die Ärmel auf) und ich Kleider mit Knopfleiste eh nie fütter ist dieses Kleid auch nicht gefüttert und eignet sich hervorragend für den Sommer und die Bahn. Es ist schön luftig, es ist Platz unter den Armen und der Stoff ist sehr angenehm ;) Weil ich nicht gefüttert habe sind die Nähte alle schön von innen ;) Heißt: französisch! Ich mache auch gerne französische Nähte, wenn Muster aufeinander treffen sollen,dann hat man sozusagen 2 Versuchen es richtig zu machen ;) Und ich mache gerne französische Nähte. Punkt.

Bei den Knöpfen habe ich kurz über rote Kontrastknöpfe nachgedacht, aber das wäre mir dann doch zu viel gewesen (also Marvin.. nicht dass er das bestimmen wollte, aber wer soll das denn sonst tun?). Jetzt sind es einfach blaue geworden.

Die Anleitung war super. Erstmal gibt es vorneweg ganz viele Tipps und Variationsvorschläge. Und dann ist jeder Schritt ausführlich bebildert mit technischen Zeichnungen auf denen man auch die Details gut erkennt. Ich werde schonmal gefragt ob es diesen oder jenen Megan Nielsen Schnitt auch auf deutsch gibt. Und ich bin bei diesem wie auch bei allen anderen ihrer Schnitte/Anleitungen der Meinung, dass man die auch versteht, wenn man kein Englisch versteht und nur anhand der Zeichnungen arbeitet.

Ansonsten finde ich ist das Kleid ein bisschen aufwändiger als das was man von Megan Nielsen gewohnt ist. Normalerweise haben die Schnitte weniger Schnittteile und sind oft einfach rechteckig ;) Selbst das Darling Ranges Dress war wirklich schlicht und der Rock ein Rechteck. Und trotzdem haben die Schnitte immer was besonderes (ja, ich bin ein bisschen verliebt! ;)) Bei diesem Kleid hat man etwas mehr Aufwand, ich finde aber trotzdem, dass der Schnitt dafür wie er aussieht nicht sehr aufwändig ist. Wenn ihr versteht was ich meine. Ich habe den Eindruck, dass die Schnittteile so sind, dass man möglichst einfach Streifen und Karos vernähen kann. Und so eine aufgesetzte Tasche ist auch einfacher zu nähen als eine Nahttasche finde ich. Der Schnitt besticht halt eher durch Details als durch allgemeine Extravaganz und das macht ihn auch einfacher zu nähen finde ich.

Insgesamt war das wirklich eine gute Erfahrung dieses Probenähen. Es war definitiv das am besten durchdachte und effizienteste Probenähen an dem ich teilgenommen habe bisher. Fehler waren trotzdem in der Anleitung, die haben sich aber auf ein Minimum beschränkt und wurden jedes mal sofort behoben. Ich wurde immer sehr freundlich behandelt und konnte Kritik äußern. Ich habe gemerkt, dass viel Arbeit und Mühe in Schnitt als auch Anleitung gesteckt wurde. Außerdem ist zwischen probenähen und Veröffentlichung des Schnitts auch genug Zeit vergangen um alle Änderungen einzuarbeiten. Insgesamt wirkte das alles sehr professionell, organisiert und gewissenhaft auf mich.

Und das beste: das Kleid gefällt mir auch ;) Ich war sowieso auf der Suche nach einem Hemdblusenkleid mit einem richtigen Kargen (also einem mit Steg ;)), denn so ein Kleid habe ich noch nicht, was das Nähen eines solchen nämlich absolut rechtfertigt ;) Ansonsten sind da noch diese schrägen Passen am Vorderteil, zu denen man ja wirklich kaum nein sagen kann! Und überhaupt, ihr wisst schon, ist es hier warm und ich hab nichts anzuziehen, buhu!

Zum Schluss noch ein Outtake, es war mir einfach zu hell im März.

Macht’s gut!

Katharina

 

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30 Gedanken zu „Matilda Hemdblusenkleid

  1. Bianca

    WOW Katharina!
    Ich war noch nicht ganz von dem Schnitt überzeugt, aber dein Kleid hat meine Meinung geändert.
    Danke furs zeigen!
    LG, Bianca

    Antworten
  2. Susanne

    Da gibt es nichts weiter zu sagen, als dass ich dein Kleid superschön finde und auch wieder vorbildlich verarbeitet.
    Merci auch für die ausführliche Schnittbesprechung.
    LG von Susanne

    Antworten
  3. Christina

    Hi!
    Klasse! Als ich das Schnittmuster zum Kleid gesehen habe, hat es mich sofort angesprochen und ich musste direkt an dich denken! “ Warte erstmal ab, ob Katharina das vielleicht näht und darüber berichtet!“, dachte ich bei mir ;-)
    Und heute… Ha! Da war ich doch auch Mal ein Fuchs!
    Dein Ergebnis gefällt mir sehr gut und du scheinst mit Anleitung und Schnitt ja sehr zufrieden zu sein!
    Hast du Änderungen vorgenommen?
    Viele Grüße Christina

    Antworten
    1. Katharina Artikelautor

      Ha! Das stimmt, du Fuchs! ;) Ich bin echt vorhersehbar, da gibt es nichts zu leugnen :) Vielen lieben Dank! :) ich bin zufrieden und ändern musste ich nur das übliche: die Länge, der Rest war gut, sogar die Schultern :)

      Antworten
  4. Barbara

    Den Schnitt habe ich natürlich auch schon bei Megan Nielsen gesehen, wobei mich die Designbeispiele bei ihr nicht so angesprochen haben. Deine Version gefällt mir sehr gut. Ist es im Schnitt so vorgesehen, daß die seitlichen PAnels im schrägen Fadenlauf zugeschnitten werden? Und das Weglassen der Brusttaschen ist sicher die richtige Entscheidung, ich glaube, die stören den Blick auf die schönen Linien des Kleides gewaltig.
    LG Barbara

    Antworten
    1. Katharina Artikelautor

      Danke Barbara :)
      Ne, das ist nicht vorgesehen, soweit ich mich erinnere, das habe ich eigenhändig so gemacht und es kann sein, dass der schnitt auch deshalb etwas weiter ist, jetzt wo dus sagst! :)

      Antworten
  5. Sandra

    Hehe – diesen Entscheidungsfindungsprozeß kenne ich ;)
    Und das Kleid hatte ich schon im Newsletter entdeckt: SCHÖN!!!
    Auch sehr gelungen mit den Streifen experimentiert. Die vorderen Taschen find ich so klasse!
    Liebe Grüße,
    Sandra
    p.s.: merkwürdigerweise konnte ich Deinen Blog gestern nicht aufrufen? Heute gehts ;)

    Antworten
    1. Katharina Artikelautor

      Danke Sandra! :) Ich glaube ich muss auch noch ne Version mit Taschen machen :) Und dann mit kurzem Rock vielleicht! Mal sehen :) Komische Sache. Hast du ne Fehlermeldung oder so bekommen?

      Antworten
  6. Pingback: Matilda dress pattern tester roundup! — megan nielsen design diary

  7. Amely

    Hallo Katharina da hast du dir mal wieder einen richtigen Blickfang genäht! Echt klasse! Ich glaub ich wär verzweifelt mit den feinen Streifen, aber bei dir passt alles super aufeinander. Das Schnittmuster sieht auch sehr aufwändig aus. Aber es hat sich gelohnt, denn es steht dir wirklich gut!
    LG Amely

    Antworten
  8. Daniela

    Ein wunderschönes Teil! Und die Anordnung der Streifen hast du (sorry, Marvin) perfekt hinbekommen. Das könnte nicht besser sein! :-)

    Antworten
  9. Christiane

    Oh, ist das ein schönes Kleid! Die Designbeispiele haben mich nicht so sehr angesprochen – ich glaube, es lag an den Taschen. Ohne finde ich das Kleid richtig toll! Und den Stoff mag ich auch sehr, sehr. Schön, wie du mit den Streifen gespielt hast (mit sehr guter Beratung!)
    Danke, dass du das Nähen so ausführlich beschrieben hast. Ich könnte mir gut vorstellen, dass ich den Schnitt auch nähen werde :)
    Liebe Grüße
    Christiane

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  10. Punktemarie

    Liebe Katharina,

    tut mir Leid, dass ich heute erst kommentiere…Aber irgendwie kam immer wieder was dazwischen… Egal, Dein Kleid ist toll. Die Idee mit den verschiedenen Streifen finde ich super, macht das Kleid viel interessanter. Denn bei den offiziellen Schnittbildern haben die glaube ich einen unifarbenen Stoff genommen.
    Lustig finde ich, wenn ich bei Dir lese: ja, sind ein paar Schnittteile mehr und ist etwas aufwendiger als sonst, aber eigentlich nicht schwierig und dann oben drauf machst Du alles noch mit diesen traumhaften französischen Nähten…Ist klar…. Das Kleid ist ja von innen fast genauso schön wie von außen… klasse :-)

    Übrigens, wenn ein Cardigan bei diesem Kleid aufträgt und es doch mal kühler sein sollte, dann musst Du Dir vielleicht mal einen Poncho stricken. Der Trend ebbt glaube ich langsam ab ;-) Aber vielleicht wärs das. Ich komm mit den Dingern nicht klar, mich nerven die, aber alle anderen scheinen sie zu lieben :-)

    Viele liebe Grüße aus dem heute patschnassen Rheinland, Brigitte

    Antworten
    1. Katharina Artikelautor

      Liebe Brigitte!
      Das braucht dir nicht Leid zu tun, lieb dass du kommentierst :)
      Und dann auch noch so nett :)
      Poncho? Ich weiß nicht… Ich war bestimmt schon 2 mal oder so kurz davor mir ein Cape zu nähen. aber dann war mir das doch immer zu blöd :D Aber ne Überlegung ist das wert! :) Danke für den Tipp :)
      Hier scheint schon wieder die Sonne oO…

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