Mauerblümchen

Im März war ich bei Wolllandia, einem Wollfest nahe Pforzheim. Das hat zum ersten Mal statt gefunden und es war zum Bersten voll. Die Wolle war aber super! ;) Ganz viele Handfärber mit wirklich tollen Garnen. Leider alles Größtenteils Merino und Seide. Sowohl bei den Garnen als auch bei den Fasern. An zwei Ständen bin ich allerdings fündig geworden.

Die Wolle von der dieser Post hier handelt wurde von Frau Wöllfchen gefärbt. Heike hatte eine ganze Kiste mit handgefärbten Kammzügen dabei, die sie für Kurse oder sowas gefärbt hatte, auf ‚weniger wertvollen‘ Fasern. Da war dann sowas dabei wie Islandschaf, süddeutsche Merino und ich glaube Falkland. Nichts gegen Merino. Aber die Fasern eignen sich nicht für jedes Projekt und beim Spinnen habe ich gerne auch mal etwas Abwechslung. Am meisten geht es mir aber darum, dass ich am Ende oft Klamotten aus meiner Wolle mache und Merino ist einfach nicht so haltbar, pillt schneller, leiert schneller aus.

Also wie gesagt, ich habe nichts gegen Merino, aber unterschiedliche Schafrassen haben unterschiedliche Fasern und die haben unterschiedliche Eigenschaften und bei allen gibt es Vor- und Nachteile. Merino ist halt sehr weich. Für mich macht das aber beim Tragen nicht so viel aus. Und beim Spinnen sind die Fasern so fein und weich, dass ich die mit meinem Schwitzefingern verfilze. Und die anderen Gründe halt. Ich sage also nur: ein bisschen Abwechslung fände ich schön liebe Handfärber! :) Und allen die gerne Merino tragen, stricken und spinnen möchte ich nahe lagen auch mal was anderes zu probieren. Es gibt soooo viel und das ist vergeudeter Spaß wenn man es nur mit einer Schafrasse versucht finde ich :)

Ich habe also bei Heike ein paar Kammzüge gekauft, heute geht es aber um einen der in pink und grün gefärbt war, den Namen ‚First Bloom‘ trug und auf Polarfuchs gefärbt wurde. Ich so: „Wat? Ein Fuchs?“. Ich wollte mich aber nicht outen und die Wolle sah nach Schaf aus. Ich habe mich also in meinem Kauf nicht beirren lassen und nachher ergoogelt, dass das wahrscheinlich ein anderer Name (ein coolerer um genau zu sein) für ein gewöhnliches Islandschaf ist. Ich habe aber auch abweichende Meinungen dazu gelesen. Und Shops die beides anbieten. Hm.. vielleicht doch ein Fuchs. Vielleicht ein Coburger Fuchsschaf das sehr nördlich lebt? ;) Ich weiß es nicht und wenn es einer weiß, dann würde ich mich sehr über eine Aufklärung freuen. Damit ich auch weiß was genau ich da trage!

Verspinnen ließ es sich zumindest gut und ich denke so von den Fasern her könnte das schon ein isländisches Schaf gewesen sein. Aber war recht weich eigentlich. Genug gemutmaßt jetzt! Weiter im Programm!

Um den Farbverlauf zu erhalten habe ich das ganze Navajo verzwirnt. Klingt cool, ist aber einfach ne Luftmaschenkette mit laaangen Maschen die man dann verzwirnt, so dass immer 3 Fäden nebeneinander liegen. Man hat dann halt Schlaufen und die haben Enden, die sieht man aber später nicht mehr. Also man sieht keine Knoten oder so.

Ich hatte 150g von den Fasern und daraus ein Garn gemacht, dass insgesamt 373 Meter lang ist (bei Ravelry steht dass fertige Knäuel wog 151g, was ich nicht alles kann). Und mehr habe ich bei dem Garn nicht ausgemessen. Ich fand aber, dass es circa dieselbe Stärke hat wie die Reste von meinem Gotlandlamm Garn, dass ich für eine Strickjacke gesponnen hatte.

Der Plan war das bunte Garn als Kontrastfarbe für die Passe eines kurzen Islandpullovers zu verwenden und da ist das dann ja nicht sooo unheimlich wichtig, dass beide Garne jetzt exakt dieselbe Stärke haben. Und ne Maschenprobe habe ich mir auch direkt gespart ;) Größtenteils wird der Pulli ja aus dem grauen Garn gesponnen und da kannte ich die Maschenprobe ja schon. Wie man sowas halt rechtfertigt! ;)

Hat aber funktioniert! Den Pulli habe ich ohne Anleitung gestrickt, das Muster habe ich mir vorher mit LibreOffice Calc gezeichnet. Dabei ist mir aber nicht aufgefallen, dass der Kontrast recht arm ist zwischen den grünen Stellen des Garns und dem Grau. So richtig schön sieht man das Muster nicht, ihr müsste mir glauben dass es sehr hübsche Blumen sind ;) Ich habe einen Teil des Musters an der Taille und den Ärmeln nochmal kurz aufgegriffen und finde das ist recht hübsch geworden. Das graue Garn hat nur für einen kurzen Pulli gereicht, da gab es also keine Diskussion.

Interessant ist vielleicht noch zu erwähnen, dass ich die Passe nach dem ersten Versuch nochmal aufmachen musste, die Zunahmen waren an den falschen Stellen. Ich habe danach ein bisschen recherchiert wie man einen solchen Pulli mit einer Passe strickt, so dass er passt. Eigentlich ist das einleuchtend, aber: im oberen Bereich muss man viele Zunahmen machen, also praktisch solange die Passe noch auf den Schultern ist. Das Gestrick muss praktisch fast als Kreis gestrickt werden. Wenn man an den Schultern angekommen ist muss man theoretisch keine Zunahmen mehr machen. Damit man im flach im Kreis strickt habe ich gelesen, dass man 4 Maschen je Runde zunehmen soll. So als Richtwert. Für jede gestrickte Runde 4 Maschen zunehmen. Und dann muss man halt noch andere Sachen wissen wie mit wie viele Maschen fängt man an, wie viele braucht man am Ende der Passe, wie viele muss man haben damit das Muster passt und so weiter.

Weil ich es netter finde wenn Pullis hinten etwas höher sind als vorne habe ich den Rücken mit verkürzten Reihen gegenüber dem Vorderteil verlängert. Die habe ich einfach zwischen den Mustern eingebaut, so dass die Muster hinten weiter auseinander sind als vorne.

Außerdem habe ich mein zweifädiges Strickhütchen von Prym endlich abgelegt und kann jetzt ohne Hilfsmittel 2 farbig stricken, wheeeey. Ich habe unterschiedlichstes probiert. Den zweiten Faden auf einen anderen Finger als den Zeigefinger, den zweiten Faden einfach hängen lassen und beide Fäden auf den Zeigefinger, aber einer von vorne kommend und der andere von hinten kommend um den Zeigefinger gewickelt. Das letzte funktioniert für mich am besten.

Und falls sich das einer fragt: Ja es war viel zu warm für den Pulli und ich hatte ihn nur auf den Bildern an. Aber ich mein, es ist Mitte Oktober! Ich ziehe meine Strickjacken jetzt einfach aus Prinzip an. Beziehungsweise ich trage sie mit mir rum ;) Den Post zum Rock findet ihr hier. Der ist fast der einzige der mir noch passt. Ein bisschen traurig, aber immerhin muss ich mich beim Stoffkauf jetzt echt nicht zurückhalten. ich habe praktisch keine Wahl!

Das war’s von mir für heute! Wenn ihr mögt findet ihr das Projekt hier auf Ravelry! Macht’s gut!

Katharina

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17 Gedanken zu „Mauerblümchen

  1. cutiecakeswelt

    Was für ein unglaublich schöner Pullover. Ich mag das sehr. Und ich finde den Kontrast ausreichend. Aber ich gebe zu, ich bin ja sowieso eher in grau und Co unterwegs.
    Ich bin immer mega beeindruckt das du auch spinnst und quasi das Garn selber vorbereitest. Ich bin schon stolz auf mich, wenn ich einen Strang wickel. Krass.
    Ich stricke zweifarbig übrigens auch ohne Hilfsmittel. Weil ich mit denen nicht zurechtkomme und keine gescheite Fadenspannung aufbauen kann. Ich habe eine Hauptfarbe die ich immer auf dem linken Zeigefinger führe. Die zweite Farbe lasse ich meist hängen und werfe die mit der rechten Hand quasi über die Nadel oder führe die mit der rechten Hand. Nicht wirklich schön, aber effektiv und passt für mich.
    So einen Pullover mit einer schicken passe, brauche ich offenbar auch noch :)
    Liebe Grüße Dana

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    1. Katharina Artikelautor

      Danke Dana, schön dass der Pulli dir gefällt! :)
      So habe ich es auch versucht zu stricken, ich habe die Fadenspannung aber nicht gut hinbekommen und ich war enorm langsam. Bei langen Farbwechseln mache ich das aber auch oft so, da ist das blöd beide Fäden auf dem Zeigefinger zu haben.

      Antworten
  2. Susanne

    Wie hübsch; mir gefällt gerade, dass die Passe farblich eher dezent ist.
    Du bist wirklich eine Strickmeisterin und auch wenn der Oktober dieses Jahr bisher sehr warm ist, in den frühen Morgenstunden, oder auch am Abend kann man so ein warmes Pullöverchen schon ganz gut gebrauchen.
    LG von Susanne

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  3. Punktemarie

    Hallo liebe Katharina,

    tolles Garn und ich finde der Kontrast reicht, würde sonst wahrscheinlich zu bunt. Diesmal ist ja nun wirklich alles komplett Selfmade :-) Mustererstellung, Anleitung, Garn versponnen und anschließend noch gestrickt… Ziemlich cool :-)

    Ich stricke übrigens zweifarbig auch immer ohne Hilfsmittel, wobei ich mir den Ring von Prima gekauft habe. Aber der liegt noch neu in seiner Verpackung. Ich stricke zwei Farben immer mit zwei Händen, also links im Continentalstyle und rechts im Englishtstyle. Das klappt bei mir am besten. Beide Fäden auf dem Zeigefinger kriege ich nicht hin…

    Hoffe, wir können bald endlich unsere Pullis und Jacken tragen… Sonne super im Herbst, aber muss es dabei so war sein wie im Sommer???

    Liebe Grüße, Brigitte

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    1. Katharina Artikelautor

      Danke Brigitte :)
      So stricke ich zweifarbig wenn ich lange Farbfolgen habe, aber bei kurzen geht das auch Continental mit beiden Farben auf dem Zeigefinger gut und vor allem schnell.
      Ich hoffe auch!

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  4. Twill & Heftstich

    Bei Merino komme ich ja regelmäßig ins Schwärmen, insofern war ich etwas erstaunt, da Du eher nüchtern schreibst. Ich kenne allerdings nur fertige Meterware und habe mir daraus zwei Shirts fürs Wandern genäht, mit denen ich sehr zufrieden sind. Ja, pillt inzwischen ein wenig, aber nur dort, wo die Träger des Rucksacks sind, aber da ist auch eine starke Belastung drauf … Nun frage ich mich gerade, was ich verpasst habe, wenn Du schreibst, dass andere Wollsorten haltbarer sind.
    Dein Pulli ist übrigens mal wieder sehr hübsch! Mir gefällt das zarte Grün auf Grau, lässt mich an Frühling denken und würde wunderbar in eine Berglandschaft passen.
    Liebe Grüße, Manuela
    P. S. Bei mir funktionierte der Link zum Rock übrigens nicht.

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    1. Katharina Artikelautor

      Den Link habe ich vergessen, ist jetzt da, danke für den Hinweis :)
      Naja, ich glaube bei Stoffen sieht das ganze anders aus. Ich glaube nicht dass man da was bekommt was nicht Merino oder halt nur Schurwolle ist. Das interessiert halt echt keinen leider, Merino ist halt der beste Kompromiss denke ich. Es ist schon total schwer fertig gesponnene Wolle zum Stricken zu kaufen die nicht entweder Merino, eine Edelfaser (Alpaka, Yak) oder halt eben Schurwolle ohne genauere Angaben ist. Es wird halt nicht nachgefragt und wäre auch ein enormer Aufwand. Beim Spinnen hat man aber die Wahl und das sollte man auch nutzen, wenn man sich die Arbeit macht. Da kann man ja auch viel mehr kontrollieren. Je nachdem wie man die Fasern dann spinnt kann das Garn ganz unterschiedlich werden. Und dann kann man halt so spinnen wie es für die Faser und für das Projekt das man plant am besten ist. Die Stoffe werden ja in Masse produziert, da wird halt eher geschaut wie man den Stoff herstellt so dass es für alle halbwegs gut passt. Und da gewinnt dann Merino. Ist weich und günstig.

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      1. Twill & Heftstich

        Danke. Ich meinte Rosari erkannt zu haben, war mir aber nicht sicher. Zusammen mit dem Pulli total schön kombiniert. Dank Dir auch, dass Du Dir Zeit genommen, dass mit den Wollsorten nochmals genauer zu erklären! Liebe Grüße, Manuela

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  5. yggdrasil

    Der Pullover ist wirklich sehr schick geworden. Abgesehen davon, dass ich es immer noch beeindruckend finde, das du Garn für Kleidungsstücke selber spinnst, finde ich es sehr positiv, dass du auch was anderes als Merino benutzt.

    Ich war in Düsseldorf auf dem Wollfest und bis auf wenige Ausnahmen, war dort alles an Wolle auch Merino. (Wenn man sich die anderen Fasern angeschaut hat, waren Alpaka, Mohair und Yak sehr im Trend.)
    Ich denke mit Merino ist man auf der sicheren Seite: Weich, gut zu verarbeiten und sehr gut in Superwash-Qualität zu bekommen. Und der Anteil von Mulesing-freiem Merino nimmt auch weiter zu, einfach weil die Wolle mehr und mehr aus Südamerika oder Europa kommt.

    Jetzt, wo ich angefangen habe zu spinnen, entdecke ich mehr und mehr spannende Fasern abseits von Merino, die ich gern testen möchte. BFL finde ich z.B. mit Merino vergleichbar. Dann habe ich gerade eine rustikale Jacke zum Teil aus Coburger Fuchs gestrickt. Rau, aber recht Formstabil.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Tolles Projekt, tolle Umsetzung!

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    1. Katharina Artikelautor

      Vielen lieben Dank, schön dass der Pulli dir gefällt.
      Damit dass man mit Merino auf der sicheren Seite liegt hast Recht. Und die sichere Seite ist ja meistens nicht das was den meisten Spaß bringt ;)
      BFL finde ich von der Weichheit des fertigen Garns auch mit Merino vergleichbar, ich finde es nur deutlich weniger elastisch und dadurch formstabiler. Und es ließ sich für mich auch besser spinnen. Schön, dass du Cobuger Fuchs Wolle für dich entdeckt hast! :)

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  6. Sandra

    Wie schön! Vor allem auch das selbsterstellte Muster <3
    Ich bin auch immer noch dem zweifarbigen Stricken komplett verfallen – auf Insta konnte man mich dieser Tage sogar in bewegten Bildern beim Fair-Isle-Stricken bewundern 🙈
    Liebe Grüße!
    Sandra

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  7. Nadine

    Der Pulli ist toll geworden. Mir gefällt das Muster sehr und auch die Farben sind sehr schön. Das mit dem geringen Kontrast finde ich nicht so schlimm. Es macht das Muster einfach dezenter und es wirkt nicht zu bunt. Polarfuchs mag ich auch. Das war so meine zweite Faserart die ich ausprobiert habe und das Grau ist so schön und die Faser weich und lässt sich einfach toll spinnen. Voll mein Ding. Mehr als eine Mütze ist aber noch nicht daraus geworden. Rembouilett probiere ich gerade aus. Spinnt sich auch toll und ist super weich. Wie sich das Garn dann verhält weiß ich noch nicht. Hoffentlich nicht wie Merino. Das leiert mir auch zu schnell aus.
    LG Nadine

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