Softshelljacke

Schon länger habe ich darüber nachgedacht mir eine Softshelljacke zu nähen. Ich habe zwar eine selbstgenähte Regenjacke, die kann ich aber nicht mehr anziehen, sobald es etwas kälter wird, die lässt den Wind ohne jeglichen Widerstand durch.

Und weil mein Urlaub näher rückte fand ich wäre jetzt der Zeitpunkt gekommen das Projekt in den Angriff zu nehmen, dann könnte ich die Jacke im Urlaub direkt anziehen. Marvin und ich waren auch in den Bergen in Asheville und ich dachte da wäre es vielleicht kalt. War es nicht ;) Dafür hat mir die Jacke beim Hin- und Rückflug sehr gute Dienste geleistet. Gerade in den Flugzeugen war es recht kalt und ich konnte mich super mit der Jacke zudecken. In den Flughäfen hatte ich die Jacke an und habe alle meine Papiere in die großen Reißverschlusstaschen stopfen können. Das war wirklich sehr praktisch, da waren sie sicher verwahrt und ich musste nicht ständig kramen, wenn ich wieder was vorzeigen musste.

Aber jetzt mal von Anfang an!

Zuerst habe ich nach einem Schnitt gesucht, der mir gefällt. Ich habe nichts gefunden das so richtig gepasst hätte. Bei manchen Schnitten waren einfach zu wenig Infos dabei um dafür 10 € auszugeben. Und bei den meisten Schnitten haben die Nahtzugaben gefehlt. Jetzt hat Pattydoo tatsächlich am Samstag einen Softshelljackenschnitt veröffentlicht, den ich so ohne zu zögern gekauft und genäht hatte. Nur leider kam der zu spät. Und so habe ich mich entschlossen selber zu basteln.

Ich hatte glücklicherweise die Trigema Softshelljacke von Marvin hier (der war nämlich so ein Fuchs und hat die direkt hier gelassen ;)). Da konnte ich mir genau ansehen, wie Kapuze, Taschen und der Reißverschlussbeleg gemacht sind. Als Grundschnitt habe ich Minoru von Sewaholic rausgekram. Bei dem Schnitt hatte ich für meine Regenjacke die ganzen Kräuselungen rausgedreht, nur am Ärmel hatte ich oben einen Abnäher. Ich weiß gar nicht warum… ich habe den kurzer Hand auch eben rausgedreht und damit eliminiert.

Die Kapuze habe ich komplett neu gezeichnet, ich wollte eine die aus 3 Teilen besteht, da die besser bei mir auf dem Kopf liegen bleibt. Außerdem sollte die Kapuze einen Kragen haben, der Reißverschluss musste also bis in die Kapuze reichen. Die Ärmel habe ich verlängert, um einen einfach umgeschlagenen Saum zu machen.

Dann ging es ans Stoffe kaufen. Es war gerade Stoffmarkt in Karlsruhe, so eine glückliche Fügung ;) Man wird praktisch beworfen mit Softshellstoffen. Die meisten haben allerdings so richtige Kindermotive. So dass nicht mal ich da ein Auge zudrücken kann. Einen schönen habe ich gesehen, der war erwachsen, dunkelblau mit weißen Fahrrädern. Der hat dann 22 €/m gekostet, alle anderen Softshellstoffe haben so 15 €/m gekostet. Ich habe den Stoff also aus Prinzip nicht gekauft ;) Es gab auch viele einfarbige Stoffe. Aber wenn schon Softshell, dann auch bunt finde ich ;) Fast am Ende meiner Runde habe ich dann einen grauen Softshell mit hellblauen Wassertropfen gefunden, für gerade mal 10 €/m. Der musste mit ;) 2 m habe ich mitgenommen.

Ich habe übrigens ein paar mal gelesen, dass Softshell elastisch sei. Und deshalb habe ich auch erst nach einem extra Schnitt geguckt. Mein Softshell ist aber nicht dehnbar. Ein bisschen querelastisch vielleicht, so wie ein Baumwollwebstoff.

Dann habe ich nach wasserundurchlässigen Reißverschlüssen geschaut. Ich dachte sowas gibt es heutzutage überall. Falsch gedacht! Auf dem Stoffmarkt wurde ich nicht fündig. Später zu Hause habe ich im Internet gesucht. Es gibt zwar wasserundurchlässige Reißverschlüsse, aber nur in sehr begrenzten Farben. Kein Problem schwarz zu finden. Blau und rot gehen auch noch. Dann habe ich noch neongrün und pink gefunden und das war’s. Lektion gelernt: erst den Reißverschluss kaufen, dann den Softshell. Es hätte den Stoff nämlich auch mit pink gegeben.

Das Kind war in den Brunnen gefallen und nach einiger Recherche bin ich auf Zipworld gestoßen, die verkaufen wasserdichte Reißverschlüsse und zwar auch in dunkelgrau. Nicht perfekt, aber besser als nichts (oder als schwarz.. oder pink!). Ich habe 2 unteilbare Reißverschlüsse in 18 cm Länge für die Taschen bestellt und einen teilbaren Reißverschluss in 75 cm Länge.

Die Reißverschlüsse für die Taschen habe ich genauso angebracht, wie ich es vom Taschen nähen kenne. Die Taschenbeutel habe ich später von Hand unsichtbar an den Ecken an die Jackenvorderteile genäht.

Ich habe die Innennähte alle mit der Overlock gemacht. Tükises Overlockgarn hatte ich nicht da, graues aber schon :) Die sichtbaren Nähte an der Kapuze habe ich mit Jerseystreifen verblendet. Bei manchen Nähten habe ich daran gedacht sie von außen nochmal abzusteppen, bei den Raglanschrägen leider nicht. So ist das nunmal!

In die Kapuze habe ich Ösen eingebracht und ein Gummiband zum Raffen der Kapuze. War einfach und macht das ganze direkt professioneller finde ich :)

Etwas schwierig war für mich der Reißverschluss. Durch die Blende wurde das alles etwas dick und rutsche gerne unter der Maschine weg. Den Nahtauftrenner habe ich hier ausgiebig benutzt.

Außerdem hatte ich bei der Blende einen Denkfehler. Das sieht man jetzt, wenn ich den Reißverschluss ganz zu machen. Die Blende müsste oben rechtwinklig zum Reißverschluss sein. Ist sie aber nicht. Fürs nächste Mal weiß ich es besser. Was mir auch nicht so gefällt wie ich gedacht hätte, ist dass die Jacke länger ist als der Reißverschluss. Das war schon Absicht, aber gefällt mir jetzt halt einfach nicht so. Nächstes Mal halt ;)

Auch die Reißverschlusskanten habe ich mit Jerseystreifen verblendet, was mich ein paar Nerven gekostet hat.

Ansonsten bin ich aber zufrieden und wie schon geschrieben hat die Jacke sich sehr gut bei ihrem ersten Einsatz gemacht. Nass ist sie noch nicht geworden, ich denke aber nicht, dass sie so wasserdicht wie eine Regenjacke ist. Marvins Softshelljacke ist eher wasserabweisend, wenn er damit so richtig in Regen gekommen ist, war er darunter auch nass. Eher eine nette Outdoor-Jacke für die Übergangszeit, und schön kuschelig ist sie von Innen und Wind lässt sie auch keinen durch. Einem kurzen Regenschauer wird sie auch standhalten denke ich. Der Fleece führt aber leider auch dazu, dass die Ärmel der Jacke die Ärmel der Kleidung darunter mithochziehen, die gleiten halt nicht so nett. Aber das Problem hat man halt bei einer Softshelljacke.

Solltet ihr Fragen haben, dann fragt gerne. Ich wollte nur den Post nicht zu sehr ausufern lassen, ich kann aber noch weiter ins Detail gehen, wenn jemand Interesse hat!

Habt nen schönen MeMadeMittwoch und danke für’s vorbei schauen! :)

Katharina

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

22 Gedanken zu „Softshelljacke

  1. made with Blümchen

    Toll, dass du Dir den Schnitt selbst auf Deine Bedürfnisse abgeändert und zurechtgebastelt hast! An Ösen und Gummiband in der Kapuze hätte ich bei meiner braunen jErika mal besser auch gedacht: Wenn ich jetzt mit dem Fahrrad unterwegs bin, weht es mir die Kapuze regelmäßig vom Kopf. (Ja! So schnell bin ich mit dem Rad! ;-) ) A propos jErika: Wäre das kein Schnitt für Dich gewesen? Die ist doch sogar extra lang, da hätte ich schon gedacht, dass sie Dir passt.
    lg, Gabi

    Antworten
    1. Katharina Artikelautor

      Danke für den netten Kommentar! Jerika hatte ich im Blick, allerdings war das so ein Schnitt, bei dem mir Informationen gefehlt haben. In der Beschreibung zum SChnitt steht nichtmal dabei, ob die Jacke gefüttert ist oder nicht. Es gibt keine Größentabelle und ich hatte aufgrund schlechter Erfahrung Angst, dass es auch keine in der Anleitung gibt. Dann steht nicht dabei, ob Nahtzugaben im Schnitt enthalten sind. Und bei einer Jacke mit so vielen teilen war es für mich einfacher einen bestehenden Schnitt zu ändern, als bei einem neuen Schnitt erstmal meine Größe zu schätzen, dann Nahtzugaben hinzuzufügen, ein Probeteil zu machen und dann zu merken ich brauche ne Größe größer. Dann wieder dasselbe Spiel. Und dann sind diese ganzen Softshelljacken-spezifischen Details ja auch gar nicht dabei beim Schnitt. Deshalb wurde es dann eben nicht Jerika.

      Antworten
  2. Barbara

    ganz toll ist Deine Jacke geworden! Und interessant, was man aus dem Minoru-Schnitt machen kann, den hätte ich so nicht wieder erkannt. Absolut professionell wie immer Deine Innenverarbeitung, die Aktion mit den Jerseystreifen finde ich wirklich heroisch! Danke auch für Deine Trageerfahrungen.Softshell habe ich bisher noch nicht verarbeitet, da ich bisher immer dachte, das wäre so winddurchlässig. Ist es aber anscheindend nicht, wie Du berichtest, das ist für mich gut zu wissen. Viel Freude mit Deiner schönen Jacke!
    LG Barbara

    Antworten
  3. fetzich

    Hey,
    deine Jacke ist echt schön geworden. Vor allem der Kinnschutz oben am Reißverschluss und die mit Jersey abgedeckten Innennähte gefallen mir. Da haben sich die Nerven echt gelohnt ;-)
    Danke, dass du deine Bezugsquellen angegeben hast, ich plane nämlich die Softshelljacke von Pattydoo zu nähen, da werde ich wohl mal mit der Reißverschlusssuche anfangen.
    Liebe Grüße,
    Jenny

    Antworten
    1. Katharina Artikelautor

      Vielen Dank Jenny! :) Oh, dann bin ich gespannt. Ich überlege im Moment einfach noch eine Softshelljacke zu nähen :) Nach dem Pattydoo Schnitt. Vielleicht mach ich das echt!

      Antworten
  4. Susanne

    Hübsch und praktisch geht ja oft nicht zusammen, bei deiner Jacke aber schon; ganz tolle Jacke.
    Wie schön, dass man sich mit Gehirnschmalz und Geschick immer die passenden Sachen nach eigenem Geschmack zusammennähen kann.
    LG von Susanne

    Antworten
  5. Punktemarie

    Hallo liebe Katharina,

    genial, es gibt kein Schnittmuster, dann mach ich mir halt eins :-) Super :-) Werde mir Deine Hinweise abspeichern, denn ich spiele auch mit dem Gedanken, mir eine solche Jacke zu nähen. Dann aber nach dem pattydoo-Schnittmuster. Aber wenn ich da ein Problem habe, frag ich Dich :-)

    Auf alle Fälle sieht die Jacke toll aus und steht Dir sehr gut. Die Punkte, die Dir nicht so gefallen, sieht keiner, sieht aus, wie gewollt – was es ja auch zum Teil war :-)

    Viele liebe Grüße, Brigitte

    Antworten
    1. Katharina Artikelautor

      Vielen Dank Brigitte! :) ich glaube ih probiere den Pattydoo Schnitt auch noch! Der reizt mich :) Und soooo viele Jacken habe ich ja auch noch nicht ;)

      Antworten
  6. Nicole

    Respekt – sich so einen Schnitt selbst zurechtzubasteln würde ich mich nicht trauen… Das Ergebnis ist schön und praktisch, und du hast völlig Recht – wenn schon Softshell, dann bunt :-)

    LG Nicole

    Antworten
  7. Anja

    Wunderbar, deine Jacke. Blaue Tropfen finde ich eindeutig besser als rosa. Auch wenn du mit dem Reißverschluss einen Kompromiss eingegangen bist. Ich habe das Gefühl, langsam auch einen schönen großen wasserfesten Regenmantel nähen zu müssen. Habe im Sommer und Herbst in regnerischen Gefilden tolle Kaufmodelle zu indiskutabel Preisen gesehen. Werde mich Mal auf Schnittsuche begeben. Danke für deine Inspiration. Und wenn es den Stoff auf dem Frankfurter Stoffmarkt in 2 Wochen gibt, nehme ich ihn gleich mit.

    Antworten
    1. Katharina Artikelautor

      Klingt wirklich als müsstest du das in angriff nehmen ;) Ist doch immer super, wenn man noch was findet was man sich nähen kann ;) Viel Erfolg beim Stoffmarkt und danke für den netten Kommentar :)

      Antworten
  8. Twill & Heftstich

    Für Dich mag es aufwändiger gewesen sein, Dir den Schnitt zu basteln als den entsprechenden zu kaufen. Es liest sich aber superspannend, wie Du Schritt für Schritt zum Ziel kommst. Vielen, lieben Dank für die genaue Beschreibung inklusive der vielen Detailbilder und Materialtipps. Ich werde mit Beginn der nächsten Wandersaison darauf zurückkommen. Mir gefällt Deine Jacke sehr gut, ich finde die Version mit den türkisen Tropfen und Fleece sehr schön. Pink wäre mir persönlich too much gewesen. Hast Du für das Softhell einen Obertransporteur oder Teflonnähfuß gebraucht? Ich meine mich zu erinnern, so etwas mal gelesen zu haben. Liebe Grüße, Manuela

    Antworten
    1. Katharina Artikelautor

      Na, dann ist es doch gut, dass ich so gebastelt habe :) Vielen Dank für die netten Worte, zum Wandern ist die Jacke bestimmt super, ich werde mal berichten :) Ich denke nicht, dass man de Obertransporteur dazu braucht. Aber: ich habe ihn bei meiner Pfaff immer an. Der Stoff rutscht aber eigentlich gut, denke nicht, dass der kleben bleibt!

      Antworten
  9. Sarah

    Voll cool deine softshell jacke! ich finde deine Ausführungen und die Bilder dazu sehr ausführlich und aufschlussreich, zudem noch inspirierend… die Stoffwahl stelle ich mir auch schwierig vorbei den Softshell Stoffen die ich immer so sehe ich finde da hast du einen richtig guten Griff gemacht ! ich habe eigentlich vor mir irgendwann auch mal eine zunähen und überlege ob ich das Schnittmuster vom wetterparka dazu benutze… lg Sarah

    Antworten
  10. Sandra

    Ich schrecke noch immer vor einer Softshelljacke zurück – brauchen könnte ich sie, aber Jacken nähen ist nicht mein liebstes…
    Doch wie man sieht, lohnt es sich!
    Liebe Grüße,
    Sandra

    Antworten
  11. Amely

    Hi Katharina, die Jacke sieht schön, praktisch und warm aus. Hast du den türkisenen Fleece extra reingenäht, oder ist das die Innenseite des Softshell-Stoffs? Auf jeden Fall Hut ab vor deinem selbstgebastelten Schnitt!
    LG Amely

    Antworten