Suri Cardigan

Auf der Suche nach Alpakarohwolle bin ich von unserem lokalen Alpakahalter auf den Suri Alpakahof Vulkan Alpakas aufmerksam gemacht worden. Der Lokale hatte zu dem Zeitpunkt nämlich keine Wolle mehr. Aber bald ist Schur, und ich habe reserviert ;)  So bin ich auf jeden Fall auf Frau Cimander gestoßen, die mir bereits gewaschenen und kardierte Alpakawolle von ihren Suri Alpakas verkauft und zugeschickt hat. Der Kontakt war wirklich sehr nett und die Rohwolle sehr schön in dunkelbraun und hellbraun. Und da fängt jetzt die Geschichte des Suri-Cardigans für Marvin an.

Erstmal vorab: es gibt zwei Arten von Alpakas: die allgemein bekannteren Huacaya Alpakas und die Suri Alpakas, letztere haben ein glattes seidig glänzendes Fell. Zumindest wenn es gewaschen ist ;) so an den Alpakas dran sieht das Fell selten glänzend aus, hehe. Und ich habe gelesen, dass Suri Alpaka Fasern etwas schwieriger zu spinnen sind als Huacaya Alpaka Fasern. Aber das wusste ich ja vorher nicht und so habe ich mich einfach dran gesetzt und angefangen zu spinnen. Wenn man nämlich nicht weiß, dass was schwer ist, dann ist es auch gar nicht so schwer ;)

Marvin wollte einen möglichst leichten, dünnen Cardigan, also habe ich so dünn ich konnte gesponnen. Ich wollte so bei Sockenwollstärke, also Sport oder Fingering Weight auskommen (Link zum Wikipedia Artikel über Yarn Weights).

 

Von Schafwolle bin ich es gewohnt, dass die Fasern nach dem ersten Baden nochmal wieder ‘aufgehen’, auffluffen wird das im Fachjargon genannt ;) Für Alpaka scheint das nicht zu gelten. Als ich dann nach 2,5 Monaten mit den 900g Fasern durch war, stand ich vor dem Problem, dass der Faden leider nicht aufgeflufft und somit ziemlich dünn war.

Ich hatte die Singles extra nur zweifach verzwirnt, zum einen damit das Garn dünn ist und um anderen weil Marvin den Effekt schön fand der sich ergab wenn man einen hellbraunen mit einem dunkelbraunen Faden verzwirnte.

Ich hatte eine Lauflänge von circa 490 m/ 100g produziert und kam auf 15 WPI (wraps per Inch), das ist noch Fingering, aber doch dünner als ich es gewohnt bin.

Nun ja, das Kind war also in den Brunnen gefallen und ich habe mal ein paar Maschenproben gemacht. Die dünnsten Nadeln die ich hier hatte hatten einen Durchmesser von 2,5 mm und damit sah das Maschenbild sehr durchlässig und unregelmäßig aus, weshalb ich 2,0 mm Nadeln geordert habe.

Zwischendurch habe ich auch eine Maschenprobe mit doppelten Faden gemacht, die ich zwar schön fand, die aber schon wieder recht dick war insgesamt. Und wie man hier schön sieht verzieht sich die Maschenprobe mit dem doppelten Faden nach links, was daran liegt dass mein Garn nicht ganz ausgeglichen ist, glaube ich. Also unter- oder überdreht ist.

Als die 2.0er Nadeln da waren habe ich damit auch noch eine Maschenprobe gestrickt und Marvin dann vor die Wahl gestellt. Einfach wäre gewesen wenn er sich für die Maschenprobe mit doppeltem Faden entschieden hätte, aber er fand die mit den 2.0er Nadeln am besten, die auch in meinen Augen am besten aussah.

Ich habe also einen Männerpulli in Größe M mit 2,0er Nadeln gestrickt. Ich habe dafür 5 Wochen gebraucht und es hat sich angefühlt wie ein ganzes Jahr. Auch weil der Cardigan schlicht sein sollte, also komplett glatt rechts gestrickt und weil ich keine Anleitung gefunden habe und mir alles selbst überlegt habe.

Wenn man eine Maschenprobe hat und die fertigen Maße des Cardigans kennt, dann geht das ja mit ein paar Dreisätzen recht einfach. Was mir allerdings wieder schwer gefallen ist war die Formung des Ausschnitts. Dafür habe ich noch kein Gefühl. Wie tief der werden soll und wie die Steigung am besten ist und so.

Ich wollte einen V-Ausschnitt stricken und gleichzeitig Raglan-Ärmel und den Rücken deutlich höher stricken als das Vorderteil und das war vielleicht für den Anfang etwas viel auf einmal. Geklappt hat es trotzdem. Nur halt nicht ganz so wie ich mir das in meinem Gehirn drin vorgestellt habe ;). Aber gut, was soll’s! Gelernt habe ich viel und Spaß hatte ich auch, zumindest bis der Ausschnitt fertig war, denn dann wurde es langweilig ;)

Die Knöpfe sind aus Holz und über ebay geordert. Nach den Aufnahmen zeigte sich dass sie zu klein sind und der Cardigan immer wieder von alleine aufging und mit sowas braucht man Marvin echt nicht kommen! Also habe ich dieselben Knöpfe ne Nummer größer geordert und jetzt geht’s :)

Der ganze Cardigan wiegt übrigens nur 290 g, total leicht, und trotzdem ist er durch die Alpkafasern wärmend. Aber nicht so wärmend, dass man ihn beim Radfahren nicht tragen kann. Die Knopfleisten habe ich aus Gewichtsgründen nicht verstärkt. Und auch weil man den Pulli ohne Knopfleiste so super zusammenknüllen kann, er nimmt dann kaum Platz weg. Und ich finde es deutlich friemeliger die Knöpfe zu schließen bei verstärkten Knopfleisten. Dafür bleiben sie natürlich zu. Aber ich habe da so ein Gefühl, dass das Marvin zu sehr genervt hätte :)

Die Farbe gefällt mir auch sehr, richtig schön meliert. Die Jacke gefällt mir insgesamt auch wenn sie wieder nciht so geworden ist wie ich mir das am Anfang mal überlegt habe. Aber sie ist schon deutlich näher dran als mein vorheriger Versuch, ich mache also Fortschritte :)

Schön ist, dass ich jetzt noch einiges an Garn über habe. Da kann ich mir ja eigentlich noch ne Jacke draus stricken. Sieht bestimmt auch schön aus, wenn man ein bisschen lila drüber färbt.. oder so ;)

Das war’s von mir! Wie immer freue ich mich über Kommentare und Fragen jedweder Art. Wer will kann sich das Projekt auch auf Ravelry angucken!

Macht’s gut!

Katharina

 

 

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10 Gedanken zu „Suri Cardigan

  1. Papiliorama

    Wow! Das ist ein wunderschönes Ergebnis!
    Dass Alpaka nicht flufft, zähle ich ja zu seinen Vorzügen ;) – genauso wie Pflanzenfasern übrigens.

    Ich verspinne auch gerade Suri-Alpaka – es ist ja nicht das erste Mal, dass wir uns unabgesprochen auf gleichem Pfad befinden – und meine sind schwarz (juhu). Diese Fasern sind ein Traum! (Sind Suri wirklich schwerer zu verspinnen? Ich glaube ja nicht) Allerdings ist meine Beute ungewaschen und lässt sich super schlecht verspinnen, weil viele Stellen regelrecht verklebt sind und meine Finger werden super dreckig.
    Hast Du Deine Fasern vor dem Spinnen gewaschen oder kardiert oder gleich versponnen? Ich experimentiere noch mit dem Waschen…

    Also nochmal: ein tolles Ergebnis! Ich finde solch dünnes Garn fällt so schön! Und einen dicken Alpaka-Pulli kann man in unseren Breitengraden doch sowieso nie wirklich tragen, so warm wie die Fasern sind.

    Für weitere Experimente empfehle ich Bambusviskose (überhaupt: Viskose!) und bei mir steht auch Leinen auf der To-Do-Liste.

    Liebe Grüße aus Berlin
    Julia

    Antworten
    1. Katharina Artikelautor

      Das ist ja witzig wieder :) Vor allem auch, weil ich gerade Leinen Spinne! :D finde ich aber nicht so spaßig! Ich habe die Wolle als Kardenband bekommen, schon gewaschen und kardiert. Bald probiere ich dann Rohwolle, hab aber noch keine Ahnung wie ich das behandel. Ich denke erst waschen dann kardieren.
      Ich bin gespannt was du bei deinen Experimenten rausfindest und habe noch sehr über deinen netten Kommentar gefreut :)

      Antworten
      1. Papiliorama

        Wie witzig!
        Ich habe das Alpaka jetzt erst einmal beiseite gelegt und vergnüge mich mit den Bambusfasern. Es soll ja ein Sommertop werden, dass darf schon bald fertig werden. Ich habe Alpaka im Kammzug und vom Hof hier. Die anderen Fasern vom Hof sind viel sauberer und lassen sich auch super verspinnen, nur das schwarze Suri hat sich wohl einmal im Dreck gewälzt, bevor es geschoren wurde ;)
        Ich bin schon gespannt auf Deine Erfahrungen mit dem Leinen!
        Vielen Dank für Deine nette Antwort.
        Julia

        Antworten
        1. Katharina Artikelautor

          :) Ich bin gespannt auf deine Erfahrung zu dem Hofalpaka. Ich bekomme auch bald welches :) Spinnst du das dann so ohne zu kardieren? Geht das gut?

          Antworten
  2. Punktemarie

    Liebe Katharina,

    was für ein tolles Teil und was für eine Odyssee … Und dann mit Nadel 2,0 einen Herrenpuli… Du hast meinen absoluten Respekt, Wahnsinn. Glaube Dir aufs Wort, dass es Dir wie ein jähr vorkam… boah… 2,0 ist schon echt dünn… Aber es hat sich gelohnt, sowohl das Spinnen, als auch das Stricken, klasse. Sei nicht so streng mit Dir, was in Deinem Kopf drin war, also wie die Jacke exakt werden sollte, weiß doch niemand. Jeder sieht das super schöne Ergebnis und hey, das Wichtigste: Marvin gefällt sie und er trägt sie. Ziel erreicht.

    Super !! Ich bin auf Deine Jacke gespannt, wenn Du denn noch genug Nerven hast, wieder ein Teil mit 2,0 zu stricken :-)

    Viele liebe Grüße, Brigitte

    Antworten
  3. Susanne

    Ich glaube gern, dass du mit Nadelstärke 2 das Gefühl hattest, ewig an der Jacke zu stricken. Ich stricke ja auch gerne mit dünnerer Nadel, weil ich lieber leichte Jäckchen trage, aber bei NS 3 ist meine Schmerzgrenze erreicht.
    Aber schön ist sie geworden und der Vorteil ist, dass dein Mann so eine leichte Jacke praktisch das ganze Jahr tragen kann; insofern hat sich die Arbeit gelohnt.
    LG von Susanne

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    1. Katharina Artikelautor

      Das war echt mal ein Erlebnis, mir kamen die Sockennadeln dick vor :D Vielleicht ändere cih meine Schmerzensgrenze jetzt auch. Aber wie gesponnen so zerronnen ;)

      Antworten
  4. Sandra

    2er Nadeln – dagegen sind meine Socken ja grob gestrickt!
    Ich mag das feinere Maschenbild ja sehr, aber meine Geduld o.O
    Klasse geworden!
    Liebe Grüße,
    Sandra

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  5. Melanie - The Flying Needle

    Ich bin so fasziniert davon, was du alles machst! Wie kriegst du die Menge an kreativem Output hin? Ich scheitere schon daran, all meine Stoff zu vernähen, geschweige denn, meine Materialien auch noch selbst herzustellen ;-)! Bin schwer beeindruckt!

    Antworten